Referierte Aufsätze Web of Science
Jan Brülle, Dorothee Spannagel
In: KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (2026),
Haushaltseinkommen sind eine Kerndimension sozialer Ungleichheit. Sie prägen nicht nur weitgehend den Lebensstandard einer Person, sie sind auch auf vielfältige Art und Weise mit ihrem subjektiven Wohlbefinden und ihren Einstellungen verknüpft. Ein Zusammenhang der eigenen Einkommensposition mit der Zustimmung zum demokratischen System liegt deshalb nahe. Bislang gibt es allerdings nur wenige Studien, die explizit untersuchen, wie Einkommen und das Vertrauen in politische Akteure und Institutionen zusammenhängen. Die wenigen Forschungsarbeiten, die es zu diesem Thema gibt, kommen zu keinem einheitlichen Fazit. Diese Forschungslücke ist der Ausgangpunkt für diesen Beitrag. Unsere zentrale Forschungsfrage ist, inwieweit die Einkommensposition das Politikvertrauen beeinflusst und wie sich ein solcher Zusammenhang erklären lässt. Wir gehen von einem indirekten Einkommenseffekt aus und berücksichtigen materielle Deprivation, ökonomische Unsicherheit und Abstiegserwartungen, soziale Anerkennung und die Einkommenszufriedenheit als vermittelnde Faktoren. Auf Basis von Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) führen wir multiple Regressionsanalysen durch. Die Ergebnisse zeigen: Je höher das Einkommen einer Person, desto höher ist ihr Politikvertrauen. Vor allem die Zufriedenheit mit dem eigenen Einkommen erweist sich für alle Einkommensgruppen als ein entscheidender Vermittlungsmechanismus. Für die unteren Einkommensgruppen erklärt zudem die materielle Deprivation einen Teil des Einkommenseffekts. Unsere Ergebnisse zeigen, welche zentrale Rolle die individuelle ökonomische Position für die demokratische Integration einer Person spielt. Unsere Studie hilft damit, besser zu verstehen, wie die Sozialstruktur und subjektive Einflussfaktoren politische Einstellungen beeinflussen.
Themen: Ungleichheit
Keywords: Institutionenvertrauen, Einkommensverteilung, Armut, Soziale, Ungleichheit, Materielle Deprivation
DOI:
https://doi.org/10.1007/s11577-026-01051-2