Referierte Aufsätze Web of Science
Thomas Elkeles, David Beck, Dominik Röding, Stefan Fischer, Jens A. Forkel
In: Deutsches Ärzteblatt International 109 (2012), 16, 285-292
Bisher fehlen Daten zur Veränderung von Gesundheitsverhalten, Erkrankungshäufigkeit und Lebenszufriedenheit über lange Zeiträume im ländlichen Raum. Sie sind jedoch für eine angemessene Gestaltung der medizinischen Versorgung entscheidend. 1973 und 1994 wurden Vollerhebungen der erwachsenen Einwohner 14 ausgewählter ländlicher Gemeinden Norddeutschlands (Gebiet der ehemaligen DDR) zu Gesundheit und Lebensweise durchgeführt. Die Bewohner der gleichen Orte wurden 2008 erneut befragt und diese Daten wurden mit den früheren Erhebungen verglichen. In den Erhebungszeiträumen 1973, 1994 und 2008 entwickelte sich die Zahl der Befragten und die korrespondierende Ausschöpfungsquote von 3 603 (83 %) über 2 155 (68 %) auf 1246 Personen (37 %) der amtlich gemeldeten Bevölkerung. 1973 berichteten 3,2 %/2,7 % der Frauen/Männer einen Diabetes mellitus, 21,7 %/11,4 % Bluthochdruck und 16,7 %/12,8 % chronische Herzkrankheiten. 2008 hatten diese Anteile deutlich zugenommen: Diabetes mellitus 12,4 %/12,8 %, Bluthochdruck 34,7 %/33,9 % und chronische Herzkrankheiten 12,3 %/15,0 %. Männer berichteten seltener einen guten oder sehr guten Gesundheitszustand (Rückgang von 51,1 % auf 45,0 %), während Frauen häufiger einen guten Gesundheitszustand angaben (Anstieg von 36,7 % auf 49,3 %). Dies war assoziiert mit einer überwiegend gesünderen Lebensweise der Frauen. Insgesamt zeigen sich im Zeitverlauf sowohl Verbesserungen, vor allem in der Lebensführung, als auch Verschlechterungen, etwa in der Lebenszufriedenheit. Während letztere Ausdruck einer zunehmenden Marginalisierung des ländlichen ostdeutschen Raumes sein könnten, interpretieren die Autoren die Verbesserungen als Modernisierungsfolge.
Themen: Gesundheit