Diskussionspapiere extern
Thomas Frank, Christopher Grimm
Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit, Statistik, 2010,
Mit diesem Bericht nimmt die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (Statistik der BA) die regelmäßige statistische Berichterstattung über die sozialversicherungspflichtigen Bruttoarbeitsentgelte von Beschäftigten auf. Diese neue statistische Information ist Bestandteil der von der Statistik der BA erstellten Beschäftigungsstatistik und basiert auf den Angaben aus dem Meldeverfahren zur Sozialversicherung. Damit werden andere Quellen zu Verdiensten und Einkommen wie z.B. die Verdienststrukturerhebung, der Mikrozensus oder das Soziooekonomische Panel (SOEP) um eine wichtige neue Quelle ergänzt. Die neue Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie als Vollerhebung regional tief differenzierte Ergebnisse nach Arbeitsort und Wohnort vorlegen kann, die mit anderen Merkmalen aus der Beschäftigungsstatistik kombiniert werden können. Das monatliche Bruttoarbeitsentgelt von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt lag im Jahr 2009 im Mittel bei 2.308 Euro (Median). Für sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte (ohne Auszubildende) kann allerdings mit 2.676 Euro ein deutlich höheres Medianeinkommen festgestellt werden. Dabei gibt es auf regionaler Ebene beträchtliche Unterschiede: In Westdeutschland verdienen sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte im Mittel 2.805 Euro und in Ostdeutschland 2.050 Euro. Zwischen den Ländern reicht das mittlere Bruttoarbeitsentgelt von 1.907 Euro in Mecklenburg-Vorpommern bis 3.079 Euro in Hamburg. Auch nach soziodemografischen Merkmalen zeigen sich markante Unterschiede: Vollzeitbeschäftigte Männer verdienen im Mittel mit 2.904 Euro mehr als vollzeitbeschäftigte Frauen mit 2.280 Euro, Ältere mit 2.874 Euro mehr als Jüngere mit 1.809 Euro und Deutsche mit 2.697 Euro mehr als Ausländer mit 2.397 Euro. Einen großen Einfluss auf die Höhe des Arbeitsentgelts hat auch der berufliche Bildungsabschluss: So erzielen vollzeitbeschäftigte Akademiker ein Medianeinkommen von 4.530 Euro, Vollzeitbeschäftigte mit nichtakademischem und ohne Berufsabschluss mit 2.719 Euro bzw. 2.324 Euro deutlich weniger. In der Differenzierung nach Wirtschaftsabschnitten werden in der Energieversorgung (4.278 Euro), der Finanz- und Versicherungsdienstleistungsbranche (4.020 Euro) und im Bereich Information und Kommunikation (3.848 Euro) die höchsten Bruttoeinkommen erzielt. Die Niedriglohnschwelle von 2/3 des jeweiligen Medianentgelts wird im Jahr 2009 in Westdeutschland von 20,2% und in Ostdeutschland von 21,3% der Vollzeitbeschäftigten unterschritten. Dabei liegen Frauen (West: 34,3% bzw. Ost: 28,8%), Jüngere (48,7% bzw. 45,2%), Ausländer (31,4% bzw. 38,9%) und Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung (30,8% bzw. 35,3%) überdurchschnittlich häufig mit ihren Arbeitsentgelten unter der Niedriglohnschwelle. Auf Branchenebene reicht die Spannbreite der Anteilswerte von jeweils 1,8% in der Energieversorgung und 2,4% bzw. 1,4% im Bereich Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden bis zu 75,3% bzw. 58,4% in Privathaushalten und 73,0% bzw. 64,9% im Gastgewerbe.