Aufsätze in Sammelwerken 2018
Katrin Golsch, Anja-Kristin Abendroth
In:
Marco Giesselmann, Katrin Golsch, Henning Lohmann, Alexander Schmidt-Catran ,
Lebensbedingungen in Deutschland in der Längsschnittperspektive (Festschrift für Hans-Jürgen Andreß)
Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden
207-223
Eine Vielzahl an empirischen Studien hat die zunehmende Bedeutung von prekären Beschäftigungsverhältnissen und deren Einfluss auf den individuellen Lebenslauf aufgezeigt . Ein wichtiger Befund dieser Studien ist, dass Prekarität gesellschaftliche Teilhabebedingungen und -chancen einschränkt . Jedoch wird Prekarität in quantitativen Untersuchungen bislang kaum multidimensional und im Längsschnitt betrachtet . Außerdem wird häufig das Augenmerk nur auf die erste Erwerbsphase gerichtet . Auch die Frage, ob Prekarität subjektiv so erlebt wird oder nicht, ist noch nicht ausreichend erforscht. In dieser Studie zeigen wir auf, wie bestehende Forschung in mehrfacher Hinsicht erweitert werden kann . Dazu betrachten wir im Unterschied zu vielen anderen Studien die letzte Erwerbsphase von Männern und Frauen und analysieren auf Basis von Individual- und Paardaten des Sozioökonomischen Panels (2008-2014) inwieweit a) unterschiedliche Dimensionen und Grade von Prekarität, b) die Kumulation von Prekarität in der Beschäftigungshistorie, sowie c) die Kumulation von Prekarität in Partnerschaften die subjektive Prekaritätswahrnehmung steigern . Die Ergebnisse unserer Analysen zeigen, dass vier Prekaritätsdimensionen – Beschäftigungsprekarität, Einkommensprekarität, Prekarität der Beschäftigungsfähigkeit und sozialrechtliche Prekarität – einen signifikanten Einfluss auf die subjektive Wahrnehmung der eigenen Arbeitsplatzsicherheit haben und diese wechselseitig verstärken . Gleichzeitig steigert die Kumulation von Prekarität in der Beschäftigungshistorie sowie die Kumulation von Prekarität in der Partnerschaft die subjektive Prekaritätswahrnehmung.
Themen: Arbeit und Beschäftigung