Qualität der Arbeit - zum Einfluss der Arbeitsplatzmerkmale auf die Arbeitszufriedenheit im europäischen Vergleich

Nicht-referierte Aufsätze

Andrea Hammermann, Oliver Stettes

In: IW-Trends 40 (2013), 2, 1-18

Abstract

Beschäftigtenbefragungen zeigen unisono: Der Anteil der Beschäftigten, die mit ihrer Arbeit zufrieden sind, liegt in Deutschland seit Jahren mit Zustimmungswerten von rund 90 Prozent auf einem konstant hohen Niveau, auch im internationalen Vergleich. Die Analyse des European Working Conditions Survey offenbart erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, welche Arbeitsplatzmerkmale für die Arbeitszufriedenheit relevant sind. Zeitdruck und Stress wirken sich hierzulande kaum auf das Ausmaß der Arbeitszufriedenheit aus. 85 Prozent der Beschäftigten, die in hohem Tempo arbeiten müssen und zugleich Stress empfinden, sind gleichwohl mit ihrer Arbeit zufrieden. Dagegen gehen eine schwache Unterstützung und eine fehlende Konfliktfähigkeit seitens der Führungskraft mit signifikant geringeren Zufriedenheitswerten einher. Doch sind hier weiterhin noch rund sieben von zehn Arbeitnehmern mit ihrer Arbeit zufrieden. Auch der Lohn und die Karrierechancen spielen eine Rolle. Allerdings fällt der Einfluss auf den Anteil der Arbeitszufriedenheit ebenfalls überraschend schwach aus. Von den Beschäftigten, die mit ihrer Vergütung unzufrieden sind, sind 82 Prozent mit ihrer Arbeit zufrieden. Nimmt man daher die Arbeitszufriedenheit als Gradmesser für die Qualität der Arbeit, wie sie die Beschäftigten selber wahrnehmen, stehen die Befragungsergebnisse im markanten Kontrast zum stellenweise in der Öffentlichkeit verbreiteten Bild einer strukturellen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Employee surveys all agree on one point: With positive responses of some 90 per cent the proportion of employees in Germany who are satisfied with their jobs has for years re-mained consistently high, even relative to other countries. An analysis of the European Working Conditions Survey reveals considerable differences between countries over which features of a job are relevant for job satisfaction. In Germany, time pressure and stress lev-els have hardly any effect on the degree of job satisfaction. 85 per cent of employees who are obliged to work at high speed and find this stressful are nevertheless satisfied with their job. By contrast, if management fails to provide support or proves ineffective in dealing with conflict, this leads to significantly lower satisfaction ratings. However, some seven out of ten of employees with such complaints are nonetheless content with their workplace. The influence of pay and career prospects on the level of job satisfaction turns out to be surprisingly weak, at least in Germany. Of employees who are dissatisfied with their re-muneration 82 per cent are nevertheless satisfied with their job. If job satisfaction is taken as an indicator of how employees perceive the quality of their workplace, therefore, the re-sults of the survey stand in marked contrast to the picture sometimes found in the media of a structural deterioration in working conditions.

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