Stille Reserve wichtig für die Arbeitsmarktflexibilität in Deutschland

Nicht-referierte Aufsätze

Elke Holst, Jürgen Schupp

In: Wochenbericht des DIW Berlin 67 (2000), 29, 457-465

Abstract

Die Stille Reserve - bestehend aus erwerbsorientierten, aber nicht arbeitslos registrierten Personen - hat in Westdeutschland eine große Bedeutung für den Arbeitsmarkt. Der in den letzten Jahren (nur bei Frauen) zu beobachtende Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen wurde in hohem Maße aus dieser Gruppe gespeist. In Ostdeutschland spielt die Stille Reserve hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Personen mit einem Erwerbswunsch sind hier zumeist arbeitslos gemeldet, wenn sie keiner regulären Beschäftigung nachgehen oder an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik teilnehmen. Gleichwohl ist die Fluktuation in der Stillen Reserve in beiden Teilen Deutschlands hoch. Gewöhnlich finden Personen aus der Stillen Reserve mindestens ebenso oft wie aus der registrierten Arbeitslosigkeit heraus eine Beschäftigung. Wollen sie relativ kurzfristig erwerbstätig werden, sind sie später sogar häufiger als Arbeitslose sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Beabsichtigen sie erst später eine bezahlte Tätigkeit aufzunehmen, werden sie etwa so häufig wie registrierte Arbeitslose erwerbstätig und sind später vor allem in geringfügiger Beschäftigung anzutreffen. Für einen Rückgang der Erwerbsneigung von Frauen konnten in der Untersuchung keine Hinweise gefunden werden, vielmehr ist bei ihnen mit einer nach wie vor hohen, tendenziell sogar weiter steigenden Erwerbsorientierung zu rechnen.

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