Verarmungsrisiken nach kritischen Lebensereignissen in Deutschland und den USA

Referierte Aufsätze Web of Science

Ulrich Kohler, Martin Ehlert, Britta Grell, Jan Paul Heisig, Anke Radenacker, Markus Wörz

In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS) 64 (2012), 2, 223-245

Abstract

Es wird untersucht, in welchem Maße die Ereignisse „Arbeitsplatzverlust“, „Krankheit“, „Verrentung“ und „Familientrennung“ in Deutschland und den USA zu Armut führen, und ob sich die Ereignisfolgen zwischen 1980 und 2009 verändert haben. In den USA wird zunächst ein größerer Teil der betroffenen Personen arm als in Deutschland. Allerdings erholen sich US-Amerikaner im Fall von Arbeitsplatzverlust und Familientrennung schneller von den Verlusten. Der Zeitvergleich ergibt allenfalls schwache Hinweise auf generell zunehmende Verarmungsrisiken, zeigt aber, dass die Ereignisfolgen in den USA unabhängig von wohlfahrtsstaatlichen Reformen starken Schwankungen unterliegen. Offenbar führt die stärkere Betonung von Marktmechanismen im liberalen amerikanischen Wohlfahrtsstaat dazu, dass die konjunkturabhängigen (Wieder-)Beschäftigungschancen entscheidende Bedeutung für die Bewältigung der Ereignisfolgen haben. Die Befunde führen zu einer Neubewertung geläufiger Zeitdiagnosen wie des für die USA beschriebenen „Great Risk Shift“ oder der „Amerikanisierung“ kontinental-europäischer Sozialstaaten. Auch scheint der häufig behauptete Umbau des Sozialstaats zur Bearbeitung „neuer“ sozialer Risiken bislang nicht zu einer Verringerung des Armutsrisikos nach Familientrennungen geführt zu haben.



Keywords: Comparative welfare state research, Poverty, Job loss, Illness, Retirement, Family dissolution, Difference-in-difference, Panel data SOEP, PSID, CNEF
DOI:
https://doi.org/10.1007/s11577-012-0164-7

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