Nicht-referierte Aufsätze
Cornelia Lang
In: Wirtschaft im Wandel (1999), 16, 4-10
Der Systemwechsel in den neuen Bundesländern hat große Anpassungsleistungen von den Ostdeutschen gefordert. Je nach Lebensalter und Erwerbsstatus sind die transformationsbedingten Belastungen und Anforderungen aber unterschiedlich stark. So ist die Situation für mittlere Altersjahrgänge, die stärker von den Sozialisationserfahrungen in der DDR geprägt sind, schwieriger als für jüngere Menschen oder nicht mehr im Erwerbsleben stehende. Die mittleren Jahrgänge standen vor dem Höhepunkt ihres Berufslebens. Sie erlebten nun, daß ihr systemspezifisches Wissen in oftmals großem Umfang entwertet wurde. Sehr häufig wurde eine Neuorientierung im Erwerbssystem notwendig, erschien aufgrund des Lebensalters aber immerhin noch lohnenswert. In nicht wenigen Fällen sind die Betroffenen daran auch gescheitert. Jüngere Menschen haben den Vorteil, die neuen marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen als völlig normal zu erleben. Entsprechend zeigen die Einstellungen und Haltungen der jungen Generation eine stärkere Tendenz des Hineinwachsens in die neue Gesellschaft als bei älteren Jahrgängen. Sie gelten gemeinhin als „Hoffnungsträger“ für die vollendete Einheit. Empirische Befunde, die die aktuellen Befindlichkeiten wiedergeben (und damit in erster Linie auf die Erfahrungen im neuen System und weniger auf die sozialisatorische Vorprägung abstellen), verweisen aber darauf, daß sich ostdeutsche Jugendliche in einigen Lebensbereichen noch von westdeutschen unterscheiden. Differenzen in den Befindlichkeiten werden dort sichtbar, wo die wirtschaftliche Situation in Ostdeutschland mit höherer Arbeitslosigkeit und geringeren materiellen Ressourcen für Heranwachsende Relevanz besitzt.
Themen: Arbeit und Beschäftigung