Lebensstandard und Gesundheit: Ein längsschnittlicher Blick in die individuelle Wohlfahrtsproduktion vor dem Hintergrund gesundheitlicher Ungleichheit

Aufsätze in Sammelwerken 2018

Timo-Kolja Pförtner, Alexander Schmidt-Catran

In: Marco Giesselmann, Katrin Golsch, Henning Lohmann, Alexander Schmidt-Catran , Lebensbedingungen in Deutschland in der Längsschnittperspektive (Festschrift für Hans-Jürgen Andreß)
Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden
17-32

Abstract

Der durch Peter Townsend begründete und durch Hans-Jürgen Andreß Mitte der 1990er Jahre in Deutschland eingeführte Lebensstandardansatz erfährt zunehmend Beachtung in der gesundheitswissenschaftlichen Forschung. Als Ergebnis der individuellen Ressourcenverwendung spiegelt der Lebensstandard unter anderem die lebenslaufspezifische Wohlfahrtsproduktion einer Person wider und erlaubt damit einen längsschnittlichen Blick auf die Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit. Der vorliegende Artikel setzt hieran an und untersucht, 1) ob die über den Lebensstandardansatz gemessene Deprivationsarmut stärker mit Gesundheit zusammenhängt als die Einkommensarmut, 2) ob sich die entsprechenden Zusammenhänge annähern, wenn die Häufigkeit von Einkommensarmut im Zeitverlauf berücksichtigt wird und 3) ob der Zusammenhang zwischen Deprivation und Gesundheit im Lebenslauf zunimmt. Die Ergebnisse zeigen, dass Deprivationsarmut stärker mit Gesundheit zusammenhängt als Einkommensarmut und dass sich die entsprechenden Assoziationsstärken annähern, wenn die Häufigkeit von Einkommensarmut im Zeitverlauf berücksichtigt wird. Darüber hinaus sprechen die Ergebnisse für eine Zunahme des Zusammenhangs zwischen Deprivationsarmut und Gesundheit im Lebenslauf und stützen damit die These einer Akkumulation von Benachteiligungen bei bestehender Deprivationsarmut. Insgesamt bietet der Lebensstandardansatz viele Potenziale für die Analyse gesundheitlicher Ungleichheit. Er eignet sich nicht nur als ergänzendes Instrument zur Messung sozioökonomischer Unterschiede, sondern auch zur längsschnittlichen Betrachtung akkumulierter Benachteiligungen.

Themen: Gesundheit

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