Geringfügige Beschäftigung" mit steigender Tendenz

Diskussionspapiere extern

Helmut Rudolph

Nürnberg: Bundesanstalt für Arbeit, 1998,
(IAB Werkstattbericht Nr. 9/21.8.1998)

Abstract

Die Zunahme geringfügiger Beschäftigung in den vergangenen Jahren hat zu einer Diskussion über den gesetzlichen Regelungsbedarf dieser Beschäftigungsform geführt. Für eine rationale Debatte um eine mögliche Neuregelung ist eine verläßliche Basis empirischer Informationen erforderlich. Die verfügbaren Datenquellen führen zu scheinbar widersprüchlichen Aussagen über Umfang, Struktur und Entwicklung geringfügiger Beschäftigung. In diesem Werkstattbericht werden die Probleme bei der Erfassung geringfügiger Beschäftigung erläutert und die Erhebungskonzepte der Datenquellen verglichen. Außerdem werden Hinweise für die Interpretation der Daten unter verschiedenen arbeitsmarktpolitischen Fragestellungen gegeben. Die Ergebnisse lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Die in der öffentlichen Diskussion verwendeten Zahlen über geringfügige Beschäftigung unterscheiden sich im Hinblick auf Niveau, Struktur und Entwicklung teils erheblich. Dies liegt an der unterschiedlichen Operationalisierung der juristischen Sachverhalte und dem wechselnden Blick auf die Erwerbstätigkeit. Grundsätzlich ist zwischen Untersuchungen der Angebotsseite (Personen, die geringfügige Tätigkeiten ausüben) und der Nachfrageseite(Zahl der Beschäftigungsverhältnisse, die diese Personen inne haben) zu unterscheiden. Für beide Seiten ist zusätzlich zu präzisieren, ob nach Inzidenz (Betroffenheit, Zahl der Personen oder Beschäftigungsverhältnisse innerhalb eines Zeitraums) oder nach Volumina (Durchschnittsbestand, Summe der geleisteten Arbeitsstunden, Lohnsummen) gefragt wird. Die Frage nach der Zahl der geringfügig beschäftigten Personen oder der entsprechenden Beschäftigungsverhältnisse macht also ohne weitere Spezifizierung keinen Sinn. Denn in der Diskussion um geringfügige Beschäftigung spielen verschiedene Themenkreise eine Rolle, die für die Interpretation der Statistiken ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Sie erfordern je nach Fragestellung eine Untergliederung der geringfügig Beschäftigten nach verschiedenen Personengruppen und Merkmalen erfordern: Schutz und Anwartschaften in den verschiedenen Zweigen der Sozialversicherung, Substitution und Substituierbarkeit von sozialversicherungspflichtiger und sozialversicherungs freier geringfügiger Beschäftigung, Beitragsausfälle und Steuereinnahmen. Die Daten sind inzwischen - mit Ausnahme des Sozio-ökonomischen Panels - bis zum Jahr 1997 verfügbar. Alle Datenquellen deuten trotz unterschiedlicher Erfassungskonzepte auf eine zunehmende Tendenz geringfügiger Beschäftigung in den vergangenen Jahren hin. Zum Teil resultiert der Anstieg jedoch aus der Änderung von Erfassungskonzepten. Wegen einer solchen Änderung weist der Mikrozensus 1996 einen sprunghaften Anstieg aus. Er erfaßt mit rd. 2,2 Mio. geringfügig Beschäftigten (1997) den Kern der eher regelmäßig geringfügig Beschäftigten. Diese Zahl ist aus methodischen Gründen als Untergrenze anzusehen. Der Mikrozensus erlaubt mit gewissen Einschränkungen auch einen Schluß auf das Beschäftigungsvolumen. Das SOEP und die ISG-Befragung erfassen außerdem Personen am Rande der Erwerbstätigkeit und schätzen die Zahl der geringfügig Beschäftigten auf 5,4 Mio. (SOEP 1996) bzw. auf 5,6 (ISG 1997). Die Betriebsbefragungen - IAB/ifo-Erhebung und IAB-Betriebspanel - ergeben für das gesamte Bundesgebiet ca. 3,4 Mio. bzw. ca. 3,7 Mio. geringfügige Beschäftigungsverhältnisse (1997) zu einem Stichtag (ohne private Haushalte). Das IAB-Betriebspanel zeigt, daß die geringfügige Beschäftigung vor allem in Klein- und Mittelbetrieben anzutreffen ist.

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