Pflegebedürftigkeit im Lebensverlauf - Der Einfluss von Familienmitgliedern und Freunden als Versorgungsstrukturen auf die funktionale Gesundheit und Pflegebedürftigkeit im häuslichen Umfeld

Referierte Aufsätze Web of Science

Rainer Unger, Klaus Giersiepen, Michael Windzio

In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS) 67 (2015), 1, 193-215

Abstract

Der Beitrag untersucht die Einflüsse familialer Versorgungsstrukturen und ökonomischer Ressourcen auf die funktionale Gesundheit im Alter. Er geht der Frage nach, inwieweit die für die funktionale Gesundheit bekannten Einflüsse auch auf eine Pflegebedürftigkeit nach SGB XI und damit auf den Bezug von Leistungen der Pflegeversicherung übertragbar sind. Es werden drei Hypothesen zum Einfluss der ökonomische Lage und der sozialen Einbettung – auch in ihrem Wechselspiel – auf funktionale Gesundheitseinschränkungen, den Pflegebeginn, differenziert nach Pflegestufen sowie auf die Wechsel zwischen den Pflegestufen und auf einen Heimeintritt hin untersucht. Die Analyse basiert auf dem sozio-oekonomischen Panel (SOEP). Im Ergebnis zeigt sich, dass das Vorhandensein von nahen Angehörigen die Inanspruchnahme von Pflegeleistungen nach SGB XI reduziert. Allerdings ist dies nur für männliche Pflegebedürftige zu beobachten. Die Substitution von Pflegeleistungen nach SGB XI erfolgt damit primär durch die Ehepartnerin. Pflegebedürftigkeit im Sinne des SGB XI umfasst deshalb mit der familialen Versorgungsstruktur auch andere Aspekte als die von (pflegebegründenden) Erkrankungen. Diese Substitution kann in den unteren Einkommensschichten nicht festgestellt werden. Vermutlich durch die finanzielle Anreizstruktur erhöht sich hier sogar das Pflegerisiko, wenn eine Partnerschaft vorliegt. Damit werden auch Grenzen der Substituierbarkeit von Pflegeleistungen im unteren Einkommensbereich aufgezeigt.

The paper investigates levels of functional health in old age as an outcome determined by support from family members and the individual’s financial assets. It addresses the question to what extent these risk factors for functional health also apply to the risk of long-term care (LTC) as defined by German Law SGB XI and may thus be transferable. Three hypotheses are presented, relating the individual’s economic resources and social integration to functional health limitations and to the onset of LTC. Results are stratified by levels of care, taking into account changes in levels of care over time as well as the location of care (at home or in a nursing home). The analysis is based the German Socio-Economic Panel (SOEP). For males it was shown that presence of close relative or spouse reduces the utilization of care (according to the LTC- definition by German Law (SGB XI). For males, long-term care was mostly provided by the spouse. The need of care depends not only on functional health status but also on the type of (family-)network. Substitution could not be found in the lower income groups. The utilization of LTC even increases for less affluent males living with a spouse due to financial incentives provided by LTC insurance. Substitutability of care services may thus vary by income group.

Themen: Gesundheit



Keywords: Pflegebedürftigkeit, Funktionale Gesundheit, Soziale Unterstützung
DOI:
https://doi.org/10.1007/s11577-015-0312-y

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