Wohnungspolitik und Wohnversorgung: Bericht aus fünf wachsenden europäischen Millionenstädten

Zeitungs- und Blogbeiträge 2021

Harald Baron, Thi Bich Ngoc Doan, Justin Kadi, Leonhard Plank

In: Stadtpunkte Nr 37 Stadtpunkte Nr 37

Abstract

Die Wohnkostenbelastung von Haushalten ist in den vergangenen Jahren in vielen europäischen Ländern deutlich angestiegen (Inchauste et al. 2018; Pittini 2012). Insbesondere in wachsenden Städten und Metropolregionen ist leistbarer Wohnraum knapp (ebd.; Schönig et al. 2017a). Für Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen wird es zunehmend schwieriger, erschwinglichen Wohnraum in zentrumsnahen Gegenden zu finden (Wetzstein, 2017). In Folge dessen müssen sie in periphere Lagen ausweichen, einen steigenden Anteil des Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufbringen, Einbußen in der Wohnqualität hinnehmen, oder in kleinere Wohnungen ziehen. Diese Entwicklungen haben die Wohnungspolitik (wieder) in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt. Wohnungspolitik spielt für die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen am Wohnungsmarkt eine zentrale Rolle. In der Tat sind Wohnungsmärkte stärker von staatlicher Intervention geprägt als die meisten anderen Märkte (Doling 1997), weshalb eine Betrachtung der Wohnungspolitik eine zentrale Dimension zur Einordnung bestehender Probleme in der Wohnversorgung darstellt. Die konkrete Ausgestaltung staatlicher Intervention in den Wohnungsmarkt unterscheidet sich mitunter deutlich zwischen Ländern. Das umfasst etwa die Frage, welche staatlichen Instrumente eingesetzt werden, um den Wohnungsmarkt zu beeinflussen (z.B. Bereitstellung von sozialem Wohnraum durch den Staat, Regulierung von Mieten, Förderung von Wohnungseigentum), wie diese konkret ausgestaltet sind (z.B. ob Förderungen für den Bau von Gebäuden oder an Haushalte zur Bezahlung von Wohnkosten vergeben werden), oder welche Form des Rechtsverhältnisses (Eigentum, Miete) wie stark gefördert wird. Auf Ebene der Städte sind die Unterschiede in der Wohnungspolitik noch deutlicher ausgebildet als auf Länderebene, da hier Interventionen unterschiedlicher Ebenen (nationalstaatlich, regional, lokal) wirksam sind. Ziel der vorliegenden Studie ist es, die wohnungspolitischen Rahmenbedingungen und die Wohnversorgung in fünf wachsenden europäischen Millionenstädten (Berlin, Hamburg, London, Paris, Wien) zu vergleichen. Im Fokus steht die Frage, wie von staatlicher Seite in den Städten interveniert wird und wie sich die Wohnversorgung zwischen den Städten unterscheidet. Dieser empirischen Untersuchung vorangestellt ist eine theoretische Erörterung der Rechtfertigung von Staatsintervention in den Wohnungsmarkt.

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