Epidemiologie von Einsamkeit in Deutschland

Diskussionspapiere extern

Theresa Entringer

Frankfurt/Main: ISS Kompetenznetzwerk Einsamkeit, 2022,
(KNE Expertise 4)

Abstract

Ziel der vorliegenden Expertise ist ein allgemeiner Überblick über die Epidemiologie der Einsamkeit der in Deutschland lebenden Menschen sowohl vor als auch während der Covid-19 Pandemie. Einsamkeit wird dabei definiert als ein unangenehmes Gefühl, das aus einer wahrgenommenen Diskrepanz zwischen gewünschten und tatsächlich vorhandenen sozialen Beziehungen entsteht (Peplau & Perlman, 1982). Für die Expertise wird zurückgegriffen auf die Daten des sozioökonomischen Panels und der zugehörigen Coronasonderbefragung soep-cov. In beiden Befragungen wird Einsamkeit mithilfe von der 3-Item UCLA Einsamkeitsskala gemessen. Die Ergebnisse zeigen, dass vor der Covid-19 Pandemie 14,2% [13,5% – 14,8%] der in Deutschland lebenden Menschen einsam waren, ein Wert der im europäischen Durchschnitt liegt. Während der Covid-19 Pandemie stiegen die Einsamkeitsprävalenzen signifikant an: In 2021 waren 42,3% [40,3% – 44,2%] der in Deutschland lebenden Menschen einsam, ein Wert der besorgniserregend hoch erscheint. Darüber hinaus identifiziert die vorliegende Expertise unterschiedliche Risikogruppen für Einsamkeit: Vor Beginn der Covid-19 Pandemie sind insbesondere Menschen mit niedriger Bildung, geringem Einkommen und arbeitssuchende Menschen von Einsamkeit betroffen. Während der Covid-19 sind insbesondere Frauen und jüngere Menschen von Einsamkeit betroffen. Die Expertise diskutiert mögliche Ursachen für die Einsamkeit in den verschiedenen Risikogruppen vor und während der Covid-19 Pandemie und gibt Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger ab.

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