Weitere referierte Aufsätze
Felix Wilke
In: Sozialer Fortschritt 73 (2024), 5, 347-369
Grundsicherungsleistungen nach SGB II und SGB XII werden häufig nicht beantragt. Auf Basis des SOEP-IS wird für Niedrigeinkommenshaushalte gezeigt, dass viele Menschen im Anspruchsfall bewusst auf eine Beantragung verzichten würden, auch wenn nur ein geringer Teil einen Bezug grundsätzlich ausschließt. Identifiziert werden verschiedene Mechanismen, die zur Nichtinanspruchnahme führen: Kosten-Nutzen-Erwägungen, Stigmatisierung und soziale Einbettung. Für Personen im Rentenalter ist die Antragsstellung zwar mit höheren Hürden verbunden (Informationsprobleme und Stigmaempfinden), gleichzeitig wird die Grundsicherung im Alter aber häufiger als Rechtsanspruch betrachtet als die Grundsicherung für Arbeitsuchende (jetzt: Bürgergeld). Der normative Bezugsrahmen der Grundsicherung und die Einbindung des sozialen Umfelds in die Hilfekonstellation erweisen sich als wichtige Zugangsprobleme.
Basic income support (SGB II and SGB XII) is often not claimed. On the basis of the SOEP-IS, it is shown that many people in low-income households would forego applying for benefits if they were entitled to them, even though only a small proportion would rule them out in general. Various mechanisms are identified that lead to non-take-up: Cost-benefit considerations, stigmatisation and social embeddedness. For people in retirement, the application is associated with higher barriers (information problems and the perception of stigma), but at the same time, basic income support in old age is more often regarded as a legal entitlement than basic income support for jobseekers. The norms underlying basic income support and the incorporation of family and friends prove to be important access problems.
Themen: Rente und Vorsorge