Frieden und Emanzipation? Über zutreffende und weniger zutreffende Erklärungen zunehmender Einkommensungleichheit in Deutschland

Nicht-referierte Aufsätze

Hans-Jürgen Andreß

In: AStA Wirtschafts- und Sozialstatistisches Archiv 8 (2014), 1-2, 7-31

Abstract

Der Beitrag überprüft die These, dass zunehmende Bildungsbeteiligung insbesondere der Frauen, zunehmend bildungshomogene Partnerschaften sowie das Ausbleiben kriegerischer Auseinandersetzungen und dramatischer Wirtschaftskrisen die zunehmende Einkommensungleichheit in Deutschland in den letzten Jahrzehnten erklären. Daten der OECD und eigene empirische Analysen mit dem Sozio-Ökonomischen Panel für den Zeitraum 1985–2011 zeigen, dass Bildungsbeteiligung, die zunehmende Anzahl an Ein-Personen-Haushalten und veränderte Partnerpräferenzen in Deutschland eher einen geringen, teils sogar gegenläufigen Beitrag zur Zunahme der Einkommensungleichheit leisten. Diese ist eher ein Produkt der besseren Einkommenschancen der Bessergestellten aufgrund des technologischen Wandels, der Beschäftigungsmöglichkeiten in einer globalisierten Welt, der Deregulierung der Finanzmärkte und einer geringeren Besteuerung der hohen Einkommen. This article tests the hypothesis that (especially female) educational expansion, homogamous partnerships and the absence of wars and dramatic economic crises explain increasing income inequality in Germany in the recent decades. Data of the OECD and own analyses using data from the German Socio-Economic Panel show that in Germany the contribution of educational expansion, of increasing numbers of one person households, and of changing partner preferences to rising rates of income inequality is rather modest and sometimes even negative. The rise in income inequality is much more a product of increasing income chances for the better off due to technological change, increasing employment possibilities in a globalized world, more investment options in deregulated financial market and lower tax rates for high incomes.

Themen: Gender, Bildung



Keywords: Einkommensungleichheit, Bildungsbeteiligung, Bildungshomogamie
DOI:
https://doi.org/10.1007/s11943-014-0137-6

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