Intergenerationale Mobilität und gesundheitliche Ungleichheiten in Ost- und Westdeutschland

Referierte Aufsätze Web of Science

Sebastian Günther, Irene Moor, Anja Knöchelmann, Matthias Richter

In: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 61 (2018), 1, 78-88

Abstract

Soziale Mobilitätsprozesse, d. h. die Bewegung einer Person aus einer sozialen Position in eine andere, stellen einen zentralen Mechanismus zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheiten dar. Sozial bedingte Unterschiede im Gesundheitszustand oder im Gesundheitsverhalten können sich mit dem Wechsel der eigenen Position ebenfalls ändern. Der Beitrag untersucht, welche Bedeutung intergenerationale Mobilität, also ein Auf- bzw. Abstieg gegenüber der elterlichen Position, in Ost- und Westdeutschland für die subjektive Gesundheit hat und ob sich dieser Zusammenhang innerhalb von 20 Jahren verändert hat. Material und Methoden: Datenbasis ist das Sozio-oekonomische Panel der Jahre 1992–2012. Berücksichtigt wurden Erwerbstätige zwischen 25 und 59 Jahren. Anhand des Vergleichs ihrer aktuellen Stellungen mit denen ihrer Eltern wurden Mobilitätspfade bestimmt. Für diese wurden Prävalenzen und logistische Regressionen der subjektiven Gesundheit berechnet. Ergebnisse: Jene in niedrigen beruflichen Stellungen bewerteten ihre Gesundheit zu allen Zeitperioden häufiger schlechter. Aufwärtsmobile Personen hatten im Vergleich zu jenen, die in ihrer Herkunftsstellung verblieben, ein geringeres Risiko einer schlechteren Gesundheit (OR 0,72). Personen, die abstiegen, schätzten ihre Gesundheit schlechter ein (OR 1,55 bzw. OR 1,86). Signifikante Unterschiede nach Geschlecht oder Herkunftsregion konnten nicht festgestellt werden. Bildung und Einkommen tragen zur Erklärung des Zusammenhangs bei. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse deuten an, dass sich ein sozialer Aufstieg positiv auf die Gesundheit auswirkt, ein sozialer Abstieg dagegen eher negativ – unabhängig von Geschlecht, Herkunftsregion oder Zeitverlauf. Es ist daher wichtig, die Mobilitätschancen aller gesellschaftlichen Gruppen zu erhöhen und damit soziale Ungleichheiten zu reduzieren.

Background: Social mobility processes, i. e. the movement of a person from one social position to another, are central mechanisms for explaining health inequalities. Social differences in health status or behaviour may also change with changes in social status. This article examines the importance of intergenerational mobility, i. e. the rise and fall of social status in relation to parental social position, for subjective health in East and West Germany and whether this relationship has changed over 20 years. Material and methods: The data basis is the socio-economic panel from 1992–2012. Employees aged between 25 and 59 were taken into account. Different mobility paths were determined by comparing their current occupational positions with those of their parents. For these, prevalence and logistic regression of subjective health were calculated. Results: Those in low occupational positions rated their health more often as being worse in all periods. Upwardly mobile individuals had a lower risk of poorer health (OR 0.72) compared to those who remained in their original position. Persons affected by downward mobility had a similarly worse self-rated health (OR 1.55 or OR 1.86). Significant differences in gender or region of origin (East-West Germany) could not be determined. Education and income contribute to explaining the relationship. Conclusion: The results suggest that social advancement has a positive effect on health, whereas social decline is negative – regardless of gender, region of origin or time. It is therefore important to reinforce political efforts aimed at increasing the mobility opportunities of all social groups in a positive sense and thus reducing social inequalities.



Keywords: Subjektive Gesundheit, Intergenerationale Mobilität, Berufliche Stellung, Ost‑/Westdeutschland, SOEP, Subjective health, Social mobility, Occupational status, East and West Germany
DOI:
https://doi.org/10.1007/s00103-017-2655-1

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