Diskussionspapiere extern
Elke Holst, Martin Friedrich
Berlin:
DIW Berlin,
2017,
(DIW Berlin: Politikberatung kompakt Nr. 121)
Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist ein Grundprinzip der Europäischen Union. Zu den fünf prioritären Zielen gehören dabei die Gleichstellung von Frauen und Männern in Führungspositionen (equality in decision-making) und die Reduzierung des Gender Pay Gap (equal pay for work of equal value). In diesem Zusammenhang ist das in Deutschland am 1. Mai 2015 in Kraft getretene Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen zu sehen, das u.a. eine verbindliche Geschlechterquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten von börsennotierten und mitbestimmten Unternehmen vorsieht. Das seit dem 6. Juli 2017 geltende Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen soll zudem insbesondere Frauen bei der Durchsetzung des Anspruchs auf gleiches Entgelt bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit unterstützen. Der vorliegende Führungskräfte-Monitor 2017 verdeutlicht, dass noch Anstregungen zur Gleichstellung der Geschlechter in Führungspositionen notwendig sind. Der Frauenanteil unter den Führungskräften (einschließlich von Personen in hochqualifizierten Tätigkeiten) hat zwar seit 1995 zugenommen, an der Spitze großer Unternehmen bleiben aber Männer nach wie vor unter sich. Im Mittel hat sich der Gender Pay Gap seit 2005 leicht verringert, der als robuster geltende Medianwert verharrte jedoch auf dem Niveau von 1995. Eine Erklärung dafür dürften geschlechterspezifische Segregationsstrukturen auf dem Arbeitsmarkt sein, etwa in Branchen und Berufen. Diese zeigen sich auch bei Führungskräften, wenn auch in geringerem Maße als bei Nicht-Führungskräften. Zudem gilt: Wer mehr Verpflichtungen zuhause hat, hat weniger Zeit für die Erwerbsarbeit. Während in Haushalten von Frauen in Führungspositionen beide Partner sich die Hausarbeit zunehmend gleicher aufteilen, leben Männer in Führungspositionen vorwiegend in Haushalten mit tradierter Aufgabenteilung, der Anteil der Haushalte mit egalitärer Aufgabenteilung nimmt aber auch dort – wenn auch sehr langsam – zu. Was ist zu tun, um rascher mehr Geschlechtergerechtgkeit in Führungspositionen und beim Verdienst herzustellen? Hierfür dürfte eine offene Unternehmenskultur eine immer wichtigere Rolle spielen. Unterstützt durch eine Politik aus einem Guss sowie mehr Partnerschaftichkeit in der Familie könnten vorhandene positive Ansätze künftig mehr Fahrt aufnehmen.
Themen: Gender, Arbeit und Beschäftigung