Reich und zufrieden? Theorie und Empirie zur Beziehung von Wohlstand und Lebenszufriedenheit

Referierte Aufsätze Web of Science

Marc Keuschnigg, Tobias Wolbring

In: Berliner Journal für Soziologie 22 (2012), 2, 189-216

Abstract

Die komplexe Beziehung von Einkommen und Lebenszufriedenheit kann auf verschiedene moderierende Einflüsse zurückgeführt werden. Dazu zählen die Befriedigung materieller Grundbedürfnisse, soziale Vergleiche und Gewöhnungsprozesse. Diese Teilerklärungen werden mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels (1992–2008) sowie einer eigens durchgeführten Erhebung in München geprüft. Alle drei Mechanismen erweisen sich für die Erklärung des nichtlinearen Zusammenhangs zwischen Einkommen und Lebenszufriedenheit als empirisch relevant. Oberhalb einer Schwelle von ca. 800 € monatlich verfügbarem Einkommen steigern Wohlstandsverbesserungen die Lebenszufriedenheit nur noch unwesentlich. Dieser Befund bietet sich daher für eine empirisch angeleitete Definition von Reichtum an. Überdies haben Einkünfte aus Vermögensbeständen keinen nennenswerten Einfluss auf das Wohlbefinden. Die Bedeutung von Einkommensvergleichen zeigt sich schwach in Bezug auf nachbarschaftliche Referenzwerte und deutlich stärker in Bezug auf spezifische Referenzgruppen wie Durchschnittsbürger oder Kollegen, nicht aber in Bezug auf Verwandte oder Freunde. Die Panelergebnisse stützen die Hypothesen zu Anspruchsniveau und Gewöhnung. Hierbei zeigt sich, dass Einkommensverluste die Lebenszufriedenheit stärker beeinflussen als -gewinne, ein Ergebnis, das insbesondere für Bessergestellte, nicht aber für Arme gilt.



Keywords: Anspruchsniveau, Gewöhnung, Lebenszufriedenheit, Reichtum, Relatives Einkommen, Sozialer Vergleich
DOI:
https://doi.org/10.1007/s11609-012-0183-2

keyboard_arrow_up