Pflegende Angehörige in Deutschland: Wer pflegt, wo, für wen und wie?

Weitere referierte Aufsätze

Ulrike Ehrlich, Nadiya Kelle

In: Zeitschrift für Sozialreform 65 (2019), 2, 175

Abstract

Pflegende Familienangehörige sind das Rückgrat des deutschen Pflegesystems. Bisher ist jedoch wenig darüber bekannt, welche Personen sich für oder gegen die Übernahme von Hilfe- oder Pflegetätigkeiten entscheiden sowie darüber, wie Pflegearrangements ausgestaltet sind. Unter Verwendung von Daten aus der Innovationsstichprobe des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP-IS 2016) schließen wir diese Forschungslücken. Ein Vergleich zwischen Personen, die mindestens eine hilfe- oder pflegebedürftige Person kennen und entschieden haben, diese (i) zu pflegen beziehungsweise (ii) nicht zu pflegen, zeigt, dass Hilfe- oder Pflegetätigkeiten signifikant häufiger von Menschen im höheren Alter, von Frauen sowie von Verheirateten übernommen werden, während signifikante Gruppenunterschiede hinsichtlich Bildungsabschluss, Erwerbsstatus und Einkommen nicht bestehen. Entscheidungen für die (Nicht-) Übernahme von Hilfe- oder Pflegetätigkeiten hängen vor allem davon ab, wer die hilfe- oder pflegebedürftige Person ist, wo diese lebt und welche Pflegebedarfe sie hat. Unsere Ergebnisse zu den Pflegearrangements zeigen, dass im eigenen Haushalt am häufigsten die (Ehe-)Partner/-innen und außerhalb des eigenen Haushalts die (Schwieger-)Eltern gepflegt werden. Die Pflege im eigenen Haushalt ist mit Abstand am zeitintensivsten; zugleich erhalten diese Pflegepersonen am seltensten Unterstützung durch andere Personen. In einem institutionellen Kontext helfen Pflegepersonen häufig Menschen mit hohen Pflegebedarfen, erhalten zugleich aber auch am häufigsten Unterstützung durch Andere.

Family caregivers comprise the backbone of the German care system. Yet little is known about the decisions on accepting or rejecting caring roles and family caregivers’ care arrangements. Using novel data from the German Socio-Economic Panel Innovation Sample (SOEP-IS 2016), we overcome these shortcomings. A comparison between individuals who know at least one person in need of care and (i) chose to provide family care or (ii) refused to provide family care reveals that those who chose to provide family care are significantly older, more often female and more often married than those who refused to provide family care. The results suggest that the decision to (not) provide family care mainly depends on who is in need of care, where the care-dependent person lives and what care needs this person has. The results regarding family caregivers’ care arrangements show that within households, family caregivers mainly provide care for their partners and outside the household, they mainly care for their parents(-in-law). Family caregivers caring for a household member report the highest care commitment and the lowest level of support from other people. Those caring for somebody living in an institutional setting do so for persons with high care needs, but also receive the most support from others.

Themen: Gesundheit, Familie



Keywords: SOEP-IS; informelle Pflege; Pflege von Angehörigen; Pflegearrangements; Entscheidung für oder gegen informelle Pflege
DOI:
https://doi.org/10.1515/zsr-2019-0007

keyboard_arrow_up