Vermögensunterschiede nach Geschlecht in Österreich und Deutschland: Eine Analyse auf der Personenebene

Diskussionspapiere extern

Julia Groiß, Alyssa Schneebaum, Barbara Schuster

Wien: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien (AK Wien), 2017,
(Materialien zu Wirtschaft und Gesellschaft 168)

Abstract

Im vorliegenden Bericht wird erstmals die Vermögensverteilung zwischen Frauen und Männern auf Personenebene in Österreich untersucht und mit Analysen für Deutschland verglichen. Es wurden bereits zahlreiche Studien zu den Themen der Einkommensverteilung und dem geschlechtsspezifischen Lohnunterschied publiziert, die Analyse von Vermögensunterschieden zwischen Geschlechtern stand bisher allerdings nicht im Zentrum der Betrachtung. Dabei ist gerade Vermögen ein wesentlich umfassenderes Maß für den Wohlstand eines Haushalts bzw. Individuums. Die Untersuchung der geschlechtsspezifischen Vermögenslücke erfolgt im Rahmen dieses Berichts zum ersten Mal für Österreich anhand von Individualdaten aus dem 2014 Household Finance and Consumption Survey (HFCS). Darüber hinaus werden Auswertungen für Deutschland mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) durchgeführt und zu den Ergebnissen für Österreich in Bezug gesetzt. Die Analyseergebnisse zeigen, dass das Nettovermögen innerhalb von Paarhaushalten in beiden betrachteten Ländern ungleich verteilt ist und eine geschlechtsspezifische Vermögensdifferenz zu Lasten der Frauen existiert. In österreichischen Paarhaushalten kann im Durchschnitt ein Gender Wealth Gap in Höhe von 58.417 Euro ermittelt werden. Frauen in österreichischen Paarhaushalten besitzen demnach um 28% weniger Vermögen als Männer. Der vorliegende Bericht analysiert des Weiteren Unterschiede hinsichtlich Nettovermögen von Frauen und Männern in österreichischen Paar- und Single-Haushalten anhand von Haushaltsstruktur, Entscheidungsmacht, Bildung, Beschäftigung und Alter. Für Deutschland können ebenfalls geschlechtsspezifische Vermögensdifferenzen zu Lasten der Frauen beobachtet werden. In Paarhaushalten wird ein durchschnittlicher Gender Wealth Gap in Höhe von 40.599 Euro ermittelt. Frauen in deutschen Paarhaushalten besitzen demnach um 32% weniger Vermögen als Männer.

The difference in wages and income between men and women – the gender wage gap – has been a central point in empirical research for decades. The analysis of gender differences in wealth holdings, however, is largely absent from the literature. This is an important omission because wealth is a more comprehensive indicator of the well-being of households and individuals than income is. This report examines the gender wealth gap within Austrian households using 2014 Household Finance and Consumption Survey (HFCS) data. Our research paper contributes to the existing literature by presenting the first study of genderrelated wealth differences at the individual level in Austria. Furthermore, we compare our results for Austria to those for Germany, which are calculated using data from the German Socio-oeconomic Panel (SOEP). Our findings suggest that there are gender-specific wealth differences in both countries. We find an average gender wealth gap of 58.417Euro for men and women in coupled households in Austria. Women thus hold 28% less wealth than men. We further study the relationship between the gender wealth gap and employment status, finding that there is a gender wealth gap of 35% for employed women in Austria. The gap is even larger when comparing full-time employees: women working in full-time positions own 43% less wealth compared to male full-time workers. Similar results can be found in Germany: on average, we identify a gender wealth gap of 40.599 Euro, or 32%, in German coupled households.

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