Diskussionspapiere extern
Judith Niehues, Anja Katrin Orth
München:
Roman Herzog Institut,
2019,
(RHI-Diskussion Nr. 30)
Die Mittelschicht in Deutschland ist seit Jahren stabil und steht wirtschaftlich gut da. Dennoch ist eine gewisse Unzufriedenheit zu spüren. Gesellschaftliche Veränderungen wie die Modernisierung der Arbeitswelt, die Globalisierung der Wirtschaft oder die Individualisierung der Lebensverhältnisse – all das scheint viele Menschen immer mehr zu verunsichern. Doch wer ist die Mitte eigentlich? Um diese Frage zu beantworten, ziehen die Autorinnen für ihre umfangreiche Analyse die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) heran. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Mittelschicht aus zwei klar voneinander unterscheidbaren Gruppen besteht: eher besorgten, materialistisch orientieren Menschen (rund ein Drittel) und eher zuversichtlichen Menschen mit postmaterialistischen Werten (rund zwei Drittel). Man darf die Mittelschicht also nicht über einen Kamm scheren, zumal sozioökonomische Faktoren wie Alter oder Einkommen diese Unterschiede nicht erklären können. Vielmehr müssen Politik, Unternehmen oder Medien sie differenziert nach ihren Werten, Einstellungen und Sorgen ansprechen.
Themen: Verteilung, Ungleichheit, Persönlichkeit