Familien mit Fluchthintergrund: Aktuelle Fakten zu Familienstruktur, Arbeitsmarktbeteiligung und Wohlbefinden (Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Diskussionspapiere extern

Martin Bujard, Claudia Diehl, Michaela Kreyenfeld, C. Katharina Spieß, Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen

Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2019,

Abstract

In den Jahren 2015 bis 2017 sind mehr als 1,5 Millionen Personen mit Fluchthintergrund nach Deutschland gekommen. Dies ist mit vielfältigen Chancen und Herausforderungen verbunden, die in Gesellschaft und Wissenschaft teils heftig diskutiert werden. Vor allem geht es um die Integration der geflüchteten Personen in Arbeit und Ausbildung, um ihre medizinische Versorgung und – sofern sie für einen längeren Zeitraum in Deutschland bleiben wollen, können oder müssen – um die soziale Teilhabe in der deutschen Gesellschaft. In diesem Zusammenhang werden auch familienpolitische Belange angesprochen, wobei geflüchtete Familien in diesen Kontexten und bei Integrationsprozessen nur selten als Einheiten betrachtet werden. Familien mit Fluchthintergrund – in vielen Fällen durch die Flucht getrennt – werden bisweilen nur im Kontext des Themas Familiennachzug diskutiert, während andere familienpolitische Herausforderungen nur wenig in der Öffentlichkeit thematisiert werden. Dies mag damit zusammenhängen, dass oft nur fragmentiertes Wissen über die familialen Strukturen und den Alltag von Familien mit Fluchthintergrund in Deutschland vorliegt. Familie hat indes für Personen mit Migrations- und Fluchthintergrund eine besondere Bedeutung. Der Wissenschaftliche Beirat für Familienfragen beim Bundesfamilienministerium (2016a und 2016b) hat entsprechend mehrfach darauf hingewiesen, dass Integration und soziale Teilhabe auch eine Familienangelegenheiten sind. In diesem Gutachten soll die Lücke in der familienpolitischen Betrachtung ein Stück weit geschlossen werden, indem empirische Fakten zu Familien mit Fluchthintergrund zusammengetragen werden – im Sinne einer „evidence-based family policy“ (vergleiche Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen 2017). Dabei legen wir zum einen neue Auswertungen von repräsentativen Daten vor. Zum anderen diskutieren wir aktuelle empirische Ergebnisse, die bisher in der Fachöffentlichkeit nur wenig zur Kenntnis genommen wurden. Dieses Gutachten konzentriert sich auf nach Deutschland geflüchtete Erwachsene und deren Kinder. Unbegleitete Minderjährige werden nicht betrachtet. Eine Diskussion ihrer familialen Kontexte bedarf eigener Analysen.

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