Diskussionspapiere extern
Tanja Schmidt, Wenzel Matiaske, Hartmut Seifert, Verena Tobsch, Elke Holst
Düsseldorf:
Hans-Böckler-Stiftung,
2020,
(Working Paper der Forschungsförderung der HBS Nr. 173)
Ziel dieser Studie ist es zu prüfen, ob sich die Unterschiede zwischen tatsächlichen und erwünschten Arbeitszeiten von Beschäftigten, also Arbeitszeitdiskrepanzen, in Form von Mustern über mehrere Jahre in bestimmten Erwerbs- bzw. Lebensphasen beobachten lassen. Dabei ist von Interesse ob sich temporäre und auch Muster mit persistenten Diskrepanzen finden lassen. Ferner wird gefragt, inwieweit diese Muster sich pfadabhängig darstellen und ob und wie sie im Zusammenhang mit innerfamilialen und betrieblichen Bedingungen stehen. Die Ergebnisse, auf Basis von Sequenzanalysen mit dem SOEP (1993–2014) zeigen erstens eine Vielzahl von verschiedenen Verlaufsmustern für alle Lebensphasen zwischen dem 18. und dem 66. Lebensjahr. In jeweils Sieben-Jahres-Lebensphasen finden sich viele verschiedene Verlaufsmuster zwischen „keine Diskrepanz“ bis „dauerhaft Verkürzungswünsche“ oder „dauerhaft Verlängerungswünsche“. Dabei bestehen die verschiedenen Verlaufsmuster teilweise nur eine Lebensphase, also sieben Beobachtungsjahre lang, teilweise jedoch auch über zwei oder mehr Lebensphasen hinweg. Damit lassen sich zweitens vor allem bei hochqualifizierten Beschäftigen über vier Lebensphasen hinweg dauerhafte und damit pfadabhängige Verlaufsmuster von Arbeitszeitdiskrepanzen ausmachen. Zudem zeigen die Ergebnisse drittens für jede Lebensphase Verlaufsmuster, die mit höherer Wahrscheinlich jeweils einzelnen Gruppen zugeordnet werden können. Dabei treten verschiedene Faktoren gemeinsam auf individueller Ebene auf, wie beispielsweise das Geschlecht in Kombination mit Bedingungsfaktoren, die im privaten Haushaltskontext verortet sind, z. B. der Paarerwerbssituation. Obwohl betriebliche Strukturierung nur sehr bedingt geprüft werden konnten, verweisen die Befunde jedoch darauf, dass auch Betriebe die verschiedenen Verlaufsmuster strukturieren und damit insgesamt von Mehrebenenprozessen bei den Verlaufsmustern von Arbeitszeitdiskrepanzen zu sprechen ist.
Themen: Ungleichheit, Gender, Arbeit und Beschäftigung