Weitere referierte Aufsätze
Charlotte Fechter, Marlene Haupt
In: Sozialer Fortschritt 69 (2020), 10, 687-710
Dieser Beitrag untersucht geschlechterspezifische Unterschiede im Rentenübergang anhand von Persönlichkeitsmerkmalen in Deutschland. Im Mittelpunkt steht dabei die Stimulierung von bestimmten Einstellungen durch die Einführung der Mütterrente in den Jahren 2014 und 2019. Unter Anwendung des SOEP v.34 (2017) wurde die Zusammenhangsstruktur von Renteneintrittsalter und den Big Five untersucht, während zeitgleich für soziodemographische Faktoren, Beschäftigung und Haushaltseinkommen kontrolliert wurde. Dabei wurden konkurrierende Hypothesen durch Querschnittsvergleiche mit OLS-Regressionen für die Jahre 2013 und 2017 getrennt nach Geschlecht getestet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine starke Ausprägung des Persönlichkeitsmerkmals Extraversion (im Sinne einer Neigung zur Geselligkeit und zum Optimismus) bei Frauen zu einem früheren Renteneintritt führt. Dabei entsprechen die Ergebnisse insofern den theoretischen Erwartungen, als dass die Anerkennung typisch weiblicher Leistungen im Rentensystem den negativen Effekt der Extraversion minimiert. Diese Studie leistet einen Beitrag für das Verständnis, wie psychologische Faktoren die Heterogenität in Rentenübergängen erklären können und formuliert Politikempfehlungen.
This article examines gender-specific differences in retirement transitions on the basis of personality traits in Germany. It focuses on stimulating certain attitudes through the introduction of the maternity pension (the recognition of child-care periods) in 2014 and 2019. Using the SOEP v.34 (2017), the relationship between retirement ages and the Big Five was examined while simultaneously controlling for socio-demographic factors, employment and income. Competing hypotheses were tested by cross-sectional comparisons with OLS regressions for 2013 and 2017, separated by sex. The results support the assumption that higher levels of the personal trait extraversion (in the sense of a tendency towards sociability and optimism) lead to earlier exit ages for women. The results correspond with the theoretical expectations insofar as the recognition of typical female performances during the life course in the pension system minimises the negative effect of extraversion. This study contributes to understanding how psychological factors can explain heterogeneity in pension transitions and formulates policy recommendations.