Referierte Aufsätze Web of Science
Nora Müller, Nico Stawarz, Alexandra Wicht
In: Soziale Welt 72 (2021), 4, 384-414
In vielen Ländern geht die Digitalisierung mit tiefgreifenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt einher, darunter eine Polarisierung von Beschäftigung und Löhnen sowie ein Rückgang des Beschäftigungswachstums. Über die individuellen Folgen der Digitalisierung ist wenig bekannt, insbesondere im Hinblick auf die unterschiedliche Betroffenheit sozialer Gruppen. In dieser Studie untersuchen wir die Relevanz der Digitalisierung, gemessen durch das aufgabenspezifische Substitutionspotenzial von Berufen, für die subjektive Arbeitsplatzunsicherheit von Individuen. Unser Fokus liegt auf Unterschieden zwischen Individuen mit verschiedenen soziodemografischen und subjektiv-affektiven Merkmalen. Für die empirischen Analysen verwenden wir Querschnittsdaten von Erwerbstätigen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) von 2013. In Übereinstimmung mit der bisherigen Forschung zeigen unsere linearen Regressionsmodelle, dass Personen in Berufen mit hohem Substitutionspotenzial höhere Werte von subjektiver Arbeitsplatzunsicherheit berichten als Personen in Berufen mit niedrigem Substitutionspotenzial. Unsere Moderationsanalysen zeigen, dass die positive Korrelation zwischen hohem Substitutionspotenzial und subjektiver Arbeitsplatzunsicherheit nur bestimmte soziale Gruppen betrifft: ältere Arbeitnehmer*innen (46-55 Jahre), Arbeitnehmer*innen mit mittlerer und geringer Bildung und Arbeitnehmer*innen mit einem hohen Grad an Neurotizismus. Hinter dem positiven Zusammenhang zwischen Digitalisierung und subjektiver Arbeitsplatzunsicherheit verbergen sich also soziale Ungleichheiten im Ausmaß der individuellen Betroffenheit durch den digitalen Wandel.
In many countries, digitalization is accompanied by disruptive changes in the labor market, including polarization in employment and wages as well as a decrease in employment growth. However, little is known about the individual (micro-level) consequences of digitalization, especially regarding differently affected subgroups. In this study, we investigate the relevance of digitalization, as measured by the task-based substitution potential of occupations, for individuals’ subjective job insecurity (SJI), focusing on differences between individuals with different socio-demographic and subjective-affective characteristics. We use large-scale cross-sectional data on employed persons from the German Socio-Economic Panel Study (SOEP) of 2013. Our linear regression models show that individuals in occupations with a high substitution potential report higher levels of SJI, compared to those with a low substitution potential. Moderation analyses reveal that the positive correlation between substitution potential and SJI concerns only certain social groups: older workers (46-55 years), employees with low and medium educational qualifications, and employees with a higher degree of neuroticism. Thus, the overall correlation between digitalization and SJI masks social inequalities in the extent to which people are affected by digital transformation.
Themen: Persönlichkeit, Bildung, Arbeit und Beschäftigung
Keywords: Job Automation; Multigroup Comparison; Occupational Tasks; SOEP; Subgroup Differences; Technological Change
DOI:
https://doi.org/10.5771/0038-6073-2021-4-384