Household Specialization, Social Norms and the Modern Family

Externe Monographien

Astrid Pape

2022,

Abstract

Der Vergleich der deutschen Durchschnittsfamilie im Jahr 2020 mit der fünfzig Jahre früher lässt die Unterschiede deutlich zu Tage treten. Modernen Familien sind diverser und weniger stabil, Fertilitäts und Heiratsraten sind gesunken, die meisten Mütter arbeiten zumindest in Teilzeit und Ansichten über Geschlechterrollen sind zunehmend egalitärer. In Deutschland stieg das Alter der Frauen bei der ersten Heirat (beim ersten Kind) von 23 (24) im Jahr 1971 auf 32 (30) im Jahr 2020 (Statistisches Bundesamt, 2021a). Der Anteil der außerehelich geborenen Kinder erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 8 auf 33% (Statistisches Bundesamt, 2021b). Während 1971 nur 45% aller Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren zur Erwerbsbevölkerung gehörten, stieg dieser Anteil auf 78% im Jahr 2019 (OECD, 2021). Im Jahr 1991 waren noch 28% der deutschen Bevölkerung der Meinung, dass es die Aufgabe des Mannes sei, Geld zu verdienen, während sich die Frau um den Haushalt kümmern sollte (Diabaté, 2021). Im Jahr 2018 ist dieser Anteil auf 11% gesunken. Diese Dissertation leistet einen Beitrag zum Verständnis der Entwicklung der modernen Familie in Deutschland, geleitet von folgenden Fragen: Wie wirkt sich der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt auf die Partnerschafts- und Erwerbsentscheidungen aus? Warum sind bestimmte Aspekte der Familie - wie die Aufteilung der unbezahlten Arbeit - immer noch vergleichsweise traditionell? Wie tragen die Institutionen zum Wandel der Familienstruktur und den Geschlechterrollen bei? Die Beantwortung dieser Fragen ist relevant, denn Familien sind maßgeblich für die Entwicklung der Gesellschaft, das Wirtschaftswachstum, die kindliche Entwicklung und die Einkommensungleichheit. Diese Dissertation besteht aus vier in sich abgeschlossene, aber zusammenhängende Artikel, die empirisch und auf Deutschland angewendet einen Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen leisten. Im zweiten Kapitel The Gender Pay Gap and Employment Choices within Couples wird untersucht, ob ein Anstieg der Löhne von Frauen im Vergleich zu Männern die Bildung von Partner schaften, die Erwerbstätigkeit von Frauen und die Arbeitszeitunterschiede innerhalb von Paaren beeinflusst. Wir untersuchen insbesondere die Reaktionen in Abhängigkeit vom Grad der Gleichstellung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt. Wir machen uns zunutze, dass die Muster des weiblichen Arbeitsangebots in Ost- und Westdeutschland historisch unterschiedlich sind, sich aber ansonsten in einem gemeinsamen institutionellen Rahmen befinden. Wir konstruieren einen potentiellen relativen Lohn zwischen Frauen und Männern unter Verwendung eines Shift-Share Ansatzes. Wir nutzen, dass sich die Lohnentwicklung zwischen Industrien und innerhalb von Industrien nach Tätigkeiten unterscheidet und dass Regionen und Geschlechter unterschiedlich von diesen Lohnveränderungen betroffen sind. Unter Verwendung deutscher administrativer Daten stellen wir fest, dass ein höherer relativer Lohn das weibliche Arbeitsangebot am extensiven und intensiven Rand erhöht und die Erwerbsunterschiede zwischen Paaren in Westdeutschland verringert. In Ostdeutschland, wo das Niveau der Gleichstellung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt bereits hoch ist, sind die Auswirkungen wesentlich geringer. Das dritte Kapitel Suddenly a Stay-at-home Dad? Short- and Long-term Consequences of Fathers’ Job Loss on Time Investment in the Household beschäftigt sich mit dem “Gender Care Gap”, sprich der Diskrepanz zwischen den Geschlechtern bei der Aufteilung unbezahlter (Haus-)Arbeit. Wir verwenden deutsche Umfragedaten des Sozio-ökonomischen Panels und nutzen den unfreiwilligen Arbeitsplatzverlust von Vätern als Shock auf die zeitliche Verfügbarkeit. Damit können wir die kurz- und langfristigen Auswirkungen auf die Verteilung der Haus- und Sorgearbeit innerhalb des Haushalts analysieren. Wir stellen fest, dass die väterliche Kinderbetreuung und Hausarbeit an Wochentagen kurzfristig signifikant zunimmt, während wir an Wochenenden keine ähnlichen Verschiebungen feststellen können. Die Auswirkungen sind positiv und anhaltend für Väter, die arbeitslos bleiben oder einen erwerbstätigen Partner haben, kehren sich aber nach einer Beschäftigung wieder um. Wir finden auch signifikante Veränderungen bei weiblichen Partnern sowie auf die kumulativen Zeitinvestitionen im Haushalt und die Auslagerung von Dienstleistungen. Unsere Ergebnisse stimmen mit den theoretischen Vorhersagen in Bezug auf Zeitverfügbarkeit und finanzielle Zwänge überein. Wir können keine eindeutigen Belege für Veränderungen bei der Verhandlungsmacht, den Einstellungen zu Geschlechterrollen oder der emotionalen Bindung finden. Im vierten Kapitel Cracking under Pressure? Gender Role Attitudes toward Maternal Employment in Times of Covid-19 in Germany werden die Auswirkungen von Covid-19 und den damit verbundenen Schließung von Kindertagesstätten und Schulen auf die Einstellung zur Erwerbstätigkeit von Müttern in Deutschland untersucht. Anhand von Daten aus den Jahren 2008 bis 2021 untersuchen wir die Geschlechterrolleneinstellungen von Frauen und Männern mit kleinen Kindern. Veränderun gen in der Gruppe der Eltern und Differenzen-in-Differenzen-Schätzungen zeigen, dass die egalitären Einstellungen von Vätern gegenüber der Erwerbstätigkeit von Müttern ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie deutlich abgenommen haben. In dieser Gruppe hatte es in der Zeit vor der Pandemie eine stetige Entwicklung hin zu egalitäreren Einstellungen gegeben. Die Einstellungen von Frauen sind davon nicht betroffen. Der Rückgang der egalitären Einstellungen von Männern ist bei Vätern von Kleinkindern am stärksten ausgeprägt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Pandemie nicht nur die kurzfristige Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung beeinflusst hat, sondern auch frühere Veränderungen in Bezug auf egalitärere Einstellungen gegenüber der Erwerbstätigkeit von Müttern kurzfristig rückgängig gemacht hat. Im fünften Kapitel Parental Leave, Mothers’ Careers and Divorce wird der Fokus auf die Auswirkungen familienpolitischer Maßnahmen auf die Stabilität von Familien gelegt. Es wird analysiert, wie Reformen in der Elternzeitregelung mit dem Scheidungsrisiko in Deutschland interagieren. Ich analysiere zwei Reformen mit entgegengesetzten Effekten auf die Beschäftigung von Müttern. Ich verwende administrative Daten und eine Kombination aus einem Regressions-Diskontinuitäts- und einem Differenz-in-Differenz-Ansatz. Ich stelle fest, dass beide Reformen die Scheidungsraten im Durchschnitt nicht verändert haben. Heterogenitätsanalysen zeigen jedoch, dass die Verdoppelung des (unbezahlten) Arbeitsplatzschutzes von 18 auf 36 Monate nach der Geburt das Scheidungsrisiko für Mütter mit mittlerem Einkommen vor der Geburt signifikant verringert. Bei der Untersuchung der Mechanismen zeigt sich, dass diese Mütter ihre Erwerbstätigkeit nach der Geburt und den Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Kind stärker reduzieren als Mütter mit niedrigerem und höherem Einkom men vor der Geburt. Eine zweite Reform, durch die höhere Leistungen über einen kürzeren Zeitraum gezahlt wurden und welche in einem progressiveren Normumfeld stattfand, hatte keine Auswirkungen auf die Familienstabilität.

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