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Selbst wenn Privatschulen in der Nähe sind: Sozial benachteiligte Schüler*innen sind dort kaum vertreten

DIW Wochenbericht 51/52 / 2022, S. 683-690

Marcel Helbig, Laura Schmitz, Felix Weinhardt

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Abstract

Die Zahl der Privatschüler*innen steigt in Deutschland stetig, insbesondere in Ostdeutschland. Besonders häufig kommen sie aus Haushalten mit hohem Einkommen und hohem Bildungsniveau. Dieser Wochenbericht untersucht, welche Rolle die räumliche Verteilung von Privatschulen für die Struktur der Schüler*innenschaft spielt. In einem ersten Schritt wird untersucht, in welchen Gegenden es Privatschulen gibt. Dabei zeigt sich, dass Privatschulen in Ostdeutschland geografisch breiter und zufälliger verteilt sind als in Westdeutschland – es gibt sie also nicht nur dort, wo vor allem privilegierte Haushalte wohnen. In einem zweiten Schritt wird untersucht, ob die geografische Nähe zu einer Privatschule den Besuch selbiger wahrscheinlicher macht. Es zeigt sich, dass das bei einkommensstarken und bildungsnahen Haushalten der Fall ist. Einkommensschwache und bildungsferne Haushalte schicken ihre Kinder hingegen auch dann nicht häufiger auf eine Privatschule, wenn sie in deren Nähe wohnen. Offenbar stellen private Schulen für sie meistens keine Alternative dar. Wie weitere Analysen zeigen, ist dies auch, aber nicht allein durch das Schulgeld zu erklären. Nötig sind daher unter anderem zugänglichere Informationen über Privatschulen. Diese könnten stärker öffentlich gefördert werden – letztlich müssen aber auch öffentliche Schulen für privilegierte Haushalte attraktiver werden, um soziale Unterschiede mit Blick auf die Schulwahl zu reduzieren.

Laura Schmitz

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt

Felix Weinhardt

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Staat



JEL-Classification: H52;I21;I22;I24
Keywords: education, inequality, private schools, school choice
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2022-51-1

Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/268696

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