Berufliche Selbstständigkeit: Ein wichtiger Faktor für die soziale Durchlässigkeit in Deutschland

Nicht-referierte Aufsätze

Maximilian Stockhausen

In: IW-Trends 19 (2022), 3, 89-109

Abstract

Im internationalen Vergleich zeigte sich Deutschland bisher als eine weitestgehend durchlässige Gesellschaft mit guten Aufstiegsmöglichkeiten für breite Bevölkerungsschichten und einer unterdurchschnittlichen Ungleichheit in den verfügbaren Haushaltseinkommen. Im Jahr 2018 überraschte die OECD jedoch mit dem ungewöhnlichen Ergebnis, dass Deutschland eines der undurchlässigsten Industrieländer sei. Wie sich zeigen lasst, ist für dieses Ergebnis eine eher unübliche Eingrenzung der Untersuchungsgruppe auf ausschließlich abhängig Beschäftigte maßgeblich. Mithilfe von Längsschnittdaten des Sozio-oekonomischen Panels wird für westdeutsche Vater-Sohn-Paare systematisch dargelegt, wie unter Einbezug der Selbstständigen die Arbeitseinkommensmobilität um ein Drittel höher ausfällt als bei ihrem Ausschluss, womit die Ergebnisse im Bereich früherer Schätzungen liegen. Der positive Einfluss der Selbstständigkeit stellt sich dabei für die hier betrachteten westdeutschen Vater-Sohn-Paare als besonders groß dar, wenn Vater und Sohne überwiegend unterschiedlichen Erwerbsformen nachgingen. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die berufliche Selbstständigkeit ein wichtiger Faktor für die soziale Durchlässigkeit in Deutschland ist und daher in intergenerationalen Einkommensmobilitätsanalysen stets berücksichtigt werden sollte. Warum der Effekt der Selbstständigkeit auf die Arbeitseinkommensmobilität nicht in allen Industrieländern in die gleiche Richtung zeigt, muss in zukünftigen Forschungsarbeiten untersucht werden.

In an international comparison, Germany has so far shown itself to be a largely mobile society with good opportunities for advancement for broad parts of the population and below-average inequality in disposable household incomes. In 2018, however, an OECD study came to the surprising result that Germany was one of the most immobile industrialized countries. As can be shown, this result is driven by a rather unusual restriction of the studied population to only dependent employees. Using longitudinal data from the Socio-Economic Panel, we systematically show for West German father-son pairs that labour income mobility is one-third higher when the self-employed are included, too, which puts the results in the range of earlier estimates. The positive impact of self-employment is particularly large for West German father-son pairs if fathers and sons predominantly pursued different forms of employment. Overall, the results show that self-employment is an important factor for social mobility in Germany and should therefore always be taken into account in intergenerational income mobility analyses. Why the effect of self-employment on labour income mobility does not point in the same direction in all industrialized countries needs to be investigated in future research.



Keywords: intergenerationale Einkommensmobilität, Ungleichheit, Verteilung, Selbstständigkeit
Externer Link:
https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/IW-Trends/PDF/2022/IW-Trends_2022-03-05-Stockhausen.pdf

DOI:
https://doi.org/10.2373/1864-810X.22-03-05

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