DIW Wochenbericht 10 / 1988, S. 139-143
Ingo Pfeiffer
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Die Bevölkerungsentwicklung in Berlin war zwanzig Jahre lang von zwei gegenläufigen Tendenzen geprägt: Die Zahl deutscher Einwohner ging stark zurück, die der Ausländer nahm erheblich zu. Insgesamt sank die registrierte Einwohnerzahl zwischen der Volkszählung 1970 und Ende 1984 um 270 000 auf 1,85 Millionen. Seit 1985 verzeichnet die amtliche Statistik jedoch wieder eine Zunahme der Einwohnerzahl, den Daten zufolge Resultat einer Trendwende sowohl bei den Zuzügen als auch bei den Fortzügen Deutscher: An die Stelle der früher nachgewiesenen regelmäßig großen Wanderungsverluste sind hohe Wanderungsgewinne getreten. Eine Analyse der amtlichen Daten und ihrer methodischen Grundlagen zeigt allerdings, daß diese Entwicklung nur zum Teil auf eine Änderung der Mobilität, in erster Linie dagegen auf die neue gesetzliche Regelung für die statistische Zuordnung von Einwohnern mit mehreren Wohnsitzen zurückzuführen ist. Vor Inkrafttreten des neuen Melderechts wurden offenbar nicht nur zu viele Fortzüge, sondern auch zu wenig Zuzüge gezählt. Gegenwärtig wird die Entwicklung positiv überzeichnet, da von den derzeit verbuchten Zuzügen ein großer Teil früheren Jahren zuzurechnen ist. Vorausschätzungen der Bevölkerungsentwicklung zeigen, daß künftig wieder mit einem leichten Rückgang der Zahl deutscher Einwohner in Berlin zu rechnen ist.
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