EWU: Wachstumsschwäche, aber keine Rezession

Pressemitteilung vom 12. Dezember 2001

Das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum hat sich im dritten Quartal um 1,4 % gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres erhöht. Im Vergleich zum zweiten Quartal beträgt die Erhöhung saisonbereinigt knapp 0,2 %, was einer laufenden Jahresrate von 0,75 % entspricht. In seinem aktuellen Wochenbericht 50/2001 stellt das DIW Berlin fest, dass sich die derzeitige Wachstumsabschwächung nicht als Rezession bezeichnen lässt. Der Abschwung ist aber stärker als nach der Asienkrise 1998. Für das vierte Quartal 2001 und das erste Quartal 2002 rechnet die EUROFRAME-Gruppe, zu der auch das DIW Berlin gehört, mit einem Wachstum von jeweils 0,75 % gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal.
Als Wachstumsstütze für den Euroraum erwies sich im dritten Quartal der Konsum. Die Nachfrage der privaten Haushalte nahm mit einer laufenden Jahresrate von gut 1,5 % zu. Damit übernimmt der Konsum aber nicht die Rolle des Wachstumsmotors. Dies war aufgrund der Steuerreformen in zahlreichen Ländern eigentlich erwartet worden. Doch die hohen Öl- und Lebensmittelpreise haben zu einem kräftigen Kaufkraftentzug geführt. Derzeit gehen auch von dem sich eintrübenden Konsumentenvertrauen und dem verlangsamten Beschäftigungsaufbau negative Einflüsse auf den privaten Verbrauch aus. Die öffentliche Nachfrage wirkt lediglich über die automatischen Stabilisatoren stützend.

Der derzeitige Abschwung in Europa ist durch einen starken Einbruch bei den Investitionen gekennzeichnet. Die Ausrüstungsinvestitionen sind im dritten Quartal 2001 in laufender Jahresrate um 6 % zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr sanken sie um 2,5 %. Das DIW Berlin nennt die geringe Bereitschaft der EZB, auf die konjunkturelle Verlangsamung mit Zinssenkungen zu reagieren, als einen Grund für diesen Rückgang. Hinzu kam ein Vertrauenseinbruch durch die weltwirtschaftliche Abschwächung und zuletzt durch die terroristischen Anschläge im September und die damit verbundenen negativen Folgen für den Welthandel (Schutzmaßnahmen und steigende Transport- und Transaktionskosten).
Die Arbeitslosenrate lag im September 2001 im Euroraum bei 8,3 %. Sie hat sich seit Anfang des Jahres kaum verändert. Das DIW Berlin weist darauf hin, dass die Zahl der Arbeitslosen ein nachlaufender Indikator ist - ausgeprägte Anpassungen an die konjunkturelle Eintrübung sind erst zum Ende des Jahres zu erwarten. Die Beschäftigungsausweitung hat sich mit 1,4 % im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich verlangsamt.