DIW Wochenbericht 31 / 1990, S. 427-434
Cord Schwartau
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Das wenig differenzierte Angebot, das schmale Sortiment und die allgemein nicht sehr hohe Qualität der Nahrungs- und Genußmittel gehörten zu den ersten Eindrücken, die man bei Reisen in die DDR gewann. Dieser Bereich war und ist in der Tat nicht sehr leistungsfähig. Die dramatischen Absatzschwierigkeiten der heimischen Erzeugnisse im ersten Halbjahr 1990 lassen vermuten, daß sehr viele Betriebe in der Lebensmittelindustrie vor dem Ruin stehen. In der Süßwaren-, Kaffee-, Tee- und Kakaoindustrie wurde im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr mehr als ein Viertel weniger produziert, im Juni nicht einmal mehr die Hälfte. Der Niveauunterschied zur Bundesrepublik war schon lange deutlich, wurde in den letzten Jahren jedoch zunehmend größer, obwohl die Wirtschaftsführung zu Beginn der 80er Jahre versuchte, dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Über die Hälfte der 12 Industriezweige der Nahrungsmittelindustrie in der DDR erreichte nicht einmal ein Drittel der Pro-Kopf-Leistung der entsprechenden Industriezweige in der Bundesrepublik Deutschland. Die Bevorzugung exportintensiver Bereiche der DDR-Volkswirtschaft stellte die für die Versorgung der Bevölkerung wichtigen Zweige in den Schatten.
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