Die Zahl der Nebenerwerbstätigen ist von 1998 bis 2000 um rund 800 000 Personen auf 2,2 Millionen zurückgegangen. 1999 wurde die Sozialversicherungspflicht für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse eingeführt. Die Zahl der geringfügig Alleinbeschäftigten hat im gleichen Zeitraum um 300 000 Personen auf etwa 4,7 Millionen zugenommen. Dies belegen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), die das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 21/2001 vorlegt.
Die Reform für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse hatte zum Ziel, die Einkommen aus diesen Tätigkeiten zur Finanzierung der Sozialversicherungssysteme mit heranzuziehen und den Beschäftigten die Möglichkeit zum Erwerb von eigenen Ansprüchen zu geben. Gleichzeitig werden aber 630-Mark-Jobs nicht besteuert, wenn ein geringfügig Beschäftigter sonst keine Einkünfte hat. Die SOEP-Daten zeigen, dass für verheiratete Frauen, die rund zwei Drittel der geringfügig Alleinbeschäftigten stellen, nach wie vor wenig Anreiz besteht, eine reguläre Teilzeit- oder Vollzeittätigkeit aufzunehmen. Das Arbeitseinkommen würde in diesem Fall nämlich besteuert werden. Da sie nach der neuen Regelung - trotz Einzahlung des Arbeitgebers in die Rentenversicherung - nicht automatisch eigene Ansprüche aufbauen, ist das Ziel Aufbau eigener Rentenansprüche nicht erreicht worden.
Für Schüler und Studenten ist es durch die Reform unattraktiver geworden, geringfügig beschäftigt zu sein. Ihre Zahl sank um schätzungsweise 100 000. Sie müssen mit einem geringeren Nettoeinkommen rechnen, da die Arbeitgeber versuchen werden, die pauschalen Sozialversicherungsabgaben auf die Schüler und Studenten zu überwälzen.
Die SOEP-Zahlen zeigen, dass vor Einführung der Reform geäußerte Befürchtungen nicht eingetreten sind: Die 630-Mark-Jobs sind dadurch nicht so teuer geworden, dass dieser Markt zusammengebrochen ist. Insofern sind die Auswirkungen der Reform für die Unternehmen nicht dramatisch. Für diese ist es durch die Reform lohnender geworden, geringfügig Nebenerwerbstätige durch geringfügig Alleinbeschäftigte, die steuerfrei bleiben, zu ersetzen. Die SOEP-Zahlen belegen, dass dies auch in großem Umfang geschehen ist.