„Historischer Wirtschaftseinbruch schlägt tiefe Kerbe“

Statement vom 30. Juli 2020

Die deutsche Wirtschaft ist neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge im zweiten Quartal um gut zehn Prozent gegenüber dem Vorquartal eingebrochen. Gegenüber dem Vorjahr fiel die Wirtschaftsleistung sogar knapp zwölf Prozent geringer aus. Dazu ein Statement von Claus Michelsen, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):

BlockquoteDie Wirtschaftsleistung in Deutschland ist im zweiten Quartal dramatisch eingebrochen. Minus gut zehn Prozent bedeuten ein tiefes Loch, aus dem sich die deutsche Wirtschaft nur Stück für Stück wird heraushangeln können. Es dauert wahrscheinlich mindestens zwei Jahre, bis die Wirtschaftsleistung das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht. Darüber hängt das Damoklesschwert weiterer Infektionswellen hierzulande und in den wichtigsten Absatzmärkten. Der Einbruch des Bruttoinlandsprodukts war allerdings in dieser Größenordnung zu erwarten. Wichtig ist nun nach vorne zu schauen: Die Wirtschaftspolitik hat größtenteils gut reagiert, die Einkommen vieler Haushalte stabilisiert und Unternehmen das Überleben gesichert. Auch das beschlossene Konjunkturpaket beinhaltet sinnvolle Maßnahmen, die eine kurzfristige Erholung der Wirtschaft begünstigen. Wichtig ist allerdings eine weitere Stärkung der Investitionstätigkeit mit einem Fokus auf eine digitale, klima- und ressourcenschonende Wirtschaftsweise. Es gilt nicht nur die Folgen der Corona-Krise auszugleichen, sondern die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähig und nachhaltig aufzustellen und so das Wachstumspotential zu erhöhen. Innovative Gründungen, effiziente Bildungssysteme und umweltschonende Infrastrukturen sind in diesem Zusammenhang nur einige der möglichen Ansatzpunkte. In diesem Sinne bietet der historische Einbruch der deutschen Wirtschaft auch Chancen.

Themen: Konjunktur