Die chemische Industrie in den 90er Jahren: wieder verstärktes Wachstum

DIW Wochenbericht 27 / 2000, S. 413-420

Hans Wessels

Abstract

Die chemische Industrie ist eine sehr heterogene Branche, deren Tätigkeitsfeld von Vorerzeugnissen bis zu Endprodukten reicht. Sie wird kurzfristig in starkem Maße von der Konjunktur und langfristig von der Entwicklung neuer Produkte, die Nachfrage auslösen, geprägt. Die Produktion ist im Allgemeinen kapitalintensiv und erfordert in vielen Sparten - insbesondere in der pharmazeutischen Industrie - auch einen hohen Einsatz an Forschung und Entwicklung. Im Zuge der verstärkten Konzentration auf ihre Kernbereiche haben in den vergangenen Jahren viele Unternehmen in Europa und in Deutschland Tochtergesellschaften gegründet oder Geschäftsfelder verkauft bzw. ausgelagert, was die Arbeitsproduktivität der Branche gesteigert, die Zahl der Beschäftigten aber EU-weit gesenkt hat. Der Außenhandel mit chemischen Produkten ist heute weitgehend frei von Hemmnissen, insbesondere wurden die Zollsätze im Handel mit Drittländern auf niedrigem Niveau harmonisiert. In der EU, ebenso wie in den USA und auch in Deutschland, hat die Branche jeweils einen Anteil von mehr als einem Zehntel an der Produktion des verarbeitenden Gewerbes, in Japan liegt der Anteil etwas darunter. In der EU ist die chemische Industrie bezogen auf die Bruttowertschöpfung der größte Industriezweig, bezogen auf die Zahl der Beschäftigten nimmt sie Rang 5 ein und erwirtschaftet nach dem Maschinenbau den zweitgrößten Handelsüberschuss. Innerhalb der chemischen Industrie der EU hat Deutschland bezüglich Produktionswert, Wertschöpfung und Zahl der Beschäftigten mit einem Anteil von etwa 30 % das größte Gewicht, gefolgt von Frankreich und Großbritannien, deren Wertschöpfung zusammen etwa derjenigen Deutschlands entspricht.

Themen: Industrie

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