DIW Wochenbericht 35 / 2000, S. 551-560
Alfred Haid, Kurt Hornschild
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Im Zuge der Globalisierung der Märkte nimmt die Häufigkeit von Unternehmensübernahmen zu. Während feindliche Übernahmen in den USA und in Großbritannien seit Jahrzehnten üblich sind, waren sie in Kontinentaleuropa eher die Ausnahme. Spektakuläre Fälle wie Vodafone/Mannesmann, einer der wenigen großen feindlichen Übernahmeversuche auf deutschem Boden, haben die wirtschaftspolitische Öffentlichkeit aufgeschreckt. Von namhaften deutschen Politikern wie auch von Gewerkschaftsseite wurden spontan Abwehrmaßnahmen gefordert, um künftig solche Übernahmen möglichst zu verhindern. Diese sind jedoch oft der einfachste Weg für Unternehmen, um rasch den Geschäftsbereich auszudehnen, die Effizienz durch Größenvorteile zu verbessern, die Konkurrenz auszuschalten oder auch um Steuern zu sparen. Inzwischen hat die Bundesregierung signalisiert, dass sie Übernahmen als ein wichtiges Instrument der Marktwirtschaft anerkennt, sie aber gleichzeitig Regelungsbedarf sieht, damit künftig bei Übernahmen einzelwirtschaftliche und gesamtwirtschaftliche Interessen in einem ausgewogeneren Verhältnis stehen. Es ist geplant, die Informationspflicht der Übernahme- und der Zielgesellschaft zu intensivieren und damit mehr Transparenz über die mit der Unternehmensübernahme angestrebten Ziele sowie die dabei zu ergreifenden Maßnahmen zu gewinnen; die Abfindungen der Minderheitsaktionäre sollen fair geregelt und die Interessen der Arbeitnehmer adäquat berücksichtigt werden.
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