Parteibindungen von Migranten: Parteien brauchen erleichterte Einbürgerung nicht zu fürchten

DIW Wochenbericht 47 / 2009, S. 821-827

Martin Kroh, Ingrid Tucci

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Abstract

Menschen mit Migrationshintergrund bilden einen stetig wachsenden Anteil an der Bevölkerung Deutschlands. Die Mehrzahl von ihnen kann aufgrund eines fehlenden deutschen Passes nicht an Wahlen teilnehmen. Da aber die Zahl eingebürgerter und damit wahlberechtigter Menschen mit Migrationshintergrund weiter steigt, nimmt auch das Interesse der politischen Parteien an dieser Gruppe zu. Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund je nach Herkunftsland sehr unterschiedliche Bindungen an die deutschen Parteien entwickelt haben. Dies gilt auch nach vielen Jahren des Aufenthalts in Deutschland und sogar für die sogenannte zweite Generation. Personen aus den ehemaligen Anwerbeländern - Türkei, Jugoslawien, Spanien, Italien, Griechenland und Portugal - neigen in großer Mehrheit der SPD zu, (Spät-)Aussiedler der CDU/CSU. Die kleinen Parteien finden dagegen vergleichsweise wenig Unterstützung durch Menschen mit Migrationshintergrund. Die nach Herkunftsländern sehr unterschiedlichen Bindungen an die deutschen Parteien lassen sich nur zu einem geringen Teil auf die soziale Lage oder auf individuelle ideologische Orientierungen zurückführen. Eine Modellrechnung zeigt, dass eine verstärkte Einbürgerung von Menschen mit Migrationshintergrund keiner Partei deutliche Vorteile verschaffen würde.

Martin Kroh

Senior Research Fellow in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel

Themen: Migration



JEL-Classification: Z13;P16;J15
Keywords: Migrants, Political behavior, SOEP
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/151880

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