Frühjahrsgrundlinien 2011

DIW Wochenbericht 14/15 / 2011, S. 2-24

Ferdinand Fichtner, Kerstin Bernoth, Franziska Bremus, Karl Brenke, Christian Dreger, Christoph Große Steffen, Hendrik Hagedorn, Simon Junker, Vladimir Kuzin, Katharina Pijnenburg

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Abstract

Das DIW Berlin prognostiziert für die deutsche Wirtschaft für 2011 ein Wachstum von 2,7 Prozent, im Jahr 2012 dürfte der Zuwachs noch 1,4 Prozent betragen. Besonders im ersten Vierteljahr 2011 dürfte bei der Wirtschaftsleistung ein deutliches Plus von knapp einem Prozent gegenüber dem Schlussquartal 2010 zu Buche stehen, wobei hier auch Nachholeffekte im Bausektor eine Rolle spielen. Die Industrie bleibt der Haupttreiber der starken Aufwärtsbewegung. Die inländische Nachfrage trägt mehr und mehr zum Wachstum bei. Vor allem die Investitionen dürften kräftig zulegen, aber auch die Bedeutung des Konsums für das Wachstum nimmt deutlich zu. Die deutsche Exportwirtschaft befindet sich auf Expansionskurs. Sie profitiert weiterhin vom anhaltend kräftigen Wachstum insbesondere in den Schwellenländern. Gleichzeitig ziehen aufgrund der starken Binnennachfrage die Importe verstärkt an. Der Außenbeitrag schwächt sich entsprechend ab. Im Jahr 2012 wird die deutsche Wirtschaft aufgrund des geringeren Wachstums der Weltwirtschaft und einer weniger dynamischen Investitionstätigkeit leicht an Fahrt verlieren. Treibende Kraft des Wachstums ist verstärkt der private Verbrauch, der dann durch kräftigere Lohnzuwächse gestützt werden dürfte. Der Aufschwung bei der Beschäftigung setzt sich fort, wenngleich sich das Wachstumstempo parallel zur gesamtwirtschaftlichen Produktion abschwächen dürfte; für 2011 ist eine Arbeitslosenquote von 7,2 Prozent zu erwarten, im kommenden Jahr dürfte noch einmal eine leichte Verbesserung auf 7,1 Prozent eintreten. Die Lohnzuwächse werden in diesem Jahr nicht besonders hoch ausfallen, im nächsten Jahr aber wohl kräftiger sein, wenn unter dem Eindruck der guten Konjunktur wichtige Tarifabschlüsse neu verhandelt werden. Die Lage der öffentlichen Haushalte wird sich in diesem Jahr erheblich verbessern. Dabei fallen der Wegfall konjunktureller Belastungen sowie die steigenden Einnahmen dank des kräftigen Wachstums und der sich weiter aufhellenden Lage auf dem Arbeitsmarkt stärker ins Gewicht als die Konsolidierungsbemühungen. Der Finanzierungssaldo dürfte 2011 auf 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts deutlich zurückgeführt werden, für das kommende Jahr ist ein weiterer Rückgang auf 1,7 Prozent zu erwarten. Von großen negativen Auswirkungen der Katastrophe in Japan für die deutsche Wirtschaft ist beim derzeitigen Stand der Dinge nicht auszugehen. Ein größeres Risiko würde ein dauerhaft anziehender Ölpreis darstellen, etwa bei einer Ausweitung der Unruhen im arabischen Raum, aber auch hier bleiben die zu erwartenden negativen Auswirkungen begrenzt.

Kerstin Bernoth

Stellvertretende Abteilungsleiterin in der Abteilung Makroökonomie

Simon Junker

Stellvertretender Abteilungsleiter in der Abteilung Konjunkturpolitik

Franziska Bremus

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Makroökonomie

Themen: Konjunktur



JEL-Classification: E32;E66;F1
Keywords: Business cycle forecast, Economic outlook
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/152114