Rußland: schwieriger außenwirtschaftlicher Neubeginn

DIW Wochenbericht 30 / 1992, S. 378-383

Heinrich Machowski

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Abstract

Am 26. Dezember 1991 wurde die Sowjetunion, eine der größten und zugleich - zumindest bei oberflächlicher Betrachtung - am stärksten zentralisierten Wirtschaftseinheiten der Erde, aufgelöst. Seither haben Rußland und die übrigen 14 Nachfolgestaaten die uneingeschränkte politische Souveränität erlangt. Diese souveränen Staaten mußten indes ein schweres wirtschaftliches Erbe antreten. Für Rußland, dem weltpolitischen und weltwirtschaftliehen Haupterben der UdSSR, zählt zu dieser hinterlassenen Last insbesondere auch die außenwirtschaftliche Schwäche der eigenen Wirtschaft. Die russische Wirtschaftspolitik steht heute vor einem außenwirtschaftliehen Trümmerhaufen: Die Ausfuhr ist extrem einseitig auf Energie und Rohstoffe konzentriert; die verarbeitende Industrie ist auf den internationalen Märkten nicht wettbewerbsfähig; die Auslandsverschuldung belastet die Devisenkasse schwer; die Forderungen an die Waffenkäufer in der Dritten Weft sind weitgehend notleidend. Die Jelzin-Administration ist jetzt entschlossen - zuletzt auch auf starken Druck des IMF hin -, neue institutionelle Rahmenbedingungen zu schaffen, um die russische Wirtschaft in die Weltwirtschaft zu integrieren. Der Außenhandel wird weitgehend dezentralisiert und dereguliert; die Ausfuhr von Energie, gesamtwirtschaftlich wichtigen Rohstoffen sowie sicherheitsrelevanten Gütern unterliegt auch weiterhin der direkten staatlichen Kontrolle. Das System der bisherigen multiplen Wechselkurse wurde zugunsten eines einheitlichen Währungskurses abgeschafft; diese Parität wird sich "bis auf weiteres" nach Angebot und Nachfrage gestalten. Solange die Probleme einer abgestimmten Geld- und Kreditpolitik in der" Rubelzone" nicht gelöst sind, soll es in Rußland keinen festen Wechselkurs geben. Solange die marktwirtschaftliche Reform im Innern nicht erfolgreich und nachhaltig greift, wird die grundsätzlich angestrebte Inländerkonvertibilität des "neuen" Rubel nicht eingeführt.


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