Durch den Einmarsch des Irak in das Emirat Kuwait am 2. August 1990 und das daraufhin von den Vereinten Nationen gegen den Aggressor verhängte Handelsembargo sind dem Weltölmarkt Rohölexporte in der Höhe von etwa 4 Mill. Faß pro Tag (b/d) entzogen worden. Dank entsprechender Produktionssteigerungen durch einige OPEC-Länder - vor allem durch Saudi-Arabien - konnten Versorgungsengpässe vermieden werden. Ende des vergangenen Jahres ist die Weltölnachfrage stark zurückgegangen, weil sich in einigen Industrieländern das Wirtschaftswachstum abschwächte und einige Entwicklungsländer aufgrund der bis Anfang Oktober sprunghaft gestiegenen Ölpreise ihre Ölimporte drosseln mußten. Die schon bei Ausbruch der Krise ausreichenden Lagerbestände konnten erhöht werden. Weitere Produktionssteigerungen sind kurzfristig - allerdings in geringerem Umfang - möglich. Da sich die übrigen OPEC-Länder nicht mit dem Irak verbündet haben, sondern im Gegenteil bereit sind, ihre Produktionskapazitäten kurzfristig Voll auszuschöpfen und mittelfristig entsprechend dem Bedarf zu erweitern, wird die derzeitige Krise - vorausgesetzt der Konflikt bleibt begrenzt - kaum einen nachhaltigen Ölpreisschub bewirken, der die Energiepreise auf Jahre hinaus auf ein wesentlich höheres Niveau katapultiert, als wir es heute haben.
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