DIW Wochenbericht 47 / 1986, S. 601-609
Horst Lambrecht
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Im zurückliegenden Planjahrfünft ist der DDR ein beachtlicher Abbau der Westverschuldung gelungen. Hierzu haben Exporte von Mineralölerzeugnissen in OECD-Länder und Lieferungen im innerdeutschen Handel, die zum Teil aus verarbeitetem sowjetischen Öl bestanden, wesentlich beigetragen. Die seit einiger Zeit beträchtlich niedrigeren Preise von Erdöl und Mineralölerzeugnissen haben auch für den Außenhandel der DDR Folgen: Einmal wird ihr nach der im RGW gültigen Preisbildungsformel (gleitender Fünfjahresdurchschnitt) für Rohöl aus der Sowjetunion ein höherer Preis in Rechnung gestellt, als er auf den Weltmärkten gilt. Zum anderen erleidet die DDR als Exporteur von Mineralölerzeugnissen in westliche Länder - in die Bundesrepublik und andere OECD-Staaten - erhebliche Deviseneinbußen. In der Direktive zum neuen Fünfjahrplan ist vorgesehen, im Handel mit den sogenannten kapitalistischen Ländern "bedeutende Exportüberschüsse" zu erzielen, um die "ökonomische und politische Unangreifbarkeit der DDR weiter zu festigen". Die Frage ist, ob durch die Preisentwicklung auf den Ölmärkten die Erreichung dieses Ziels gefährdet wird. Die bisher für 1986 vorliegenden Daten der Partnerländer zeigen, daß die DDR im innerdeutschen Handel und im Handel mit den übrigen OECD-Ländern zusammen niedrigere Handelsbilanzüberschüsse als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres erzielte. Das von der DDR bekanntgegebene Halbjahresergebnis bestätigt diese Entwicklung.
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