Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung: Vorschau und Call for Papers

Die Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung sind die älteste Publikation des DIW Berlin, sie erscheinen bereits seit 1926. Seitdem hat sich viel verändert, auch die Vierteljahrshefte: Seit 2008 erscheinen sie mit neuem Konzept und frischer Aufmachung.

Die Grundidee bleibt aber gleich: Aktuelle Themen aus der Wirtschaftspolitik werden hier aufgegriffen und von Autorinnen und Autoren am DIW Berlin und darüber hinaus erläutert und diskutiert. Angesammeltes Forscher- und Expertenwissen wird auf wirtschaftspolitische Probleme angewandt. Die Vierteljahrshefte bieten Orientierungshilfe zu komplexen wirtschaftspolitischen Themen und zeigen neue Perspektiven und Lösungsvorschläge auf.

HG: Bernhard Emunds (Oswald von Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik und  Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen) und MitherausgeberInnen (tba)

Der massive Anstieg der Bodenpreise in den Städten, vor allem in den Ballungszentren ist weltweit eine starke Triebfeder der Ungleichheit: über steigende Immobilienpreise und Wohnungsmieten. Die steigenden Boden- und Immobilienpreise (die im Übrigen natürlich auch aus Finanzstabilitätsgründen ein wichtiges Thema sind), machen die BesitzerInnen massiv reicher und schließen andere von Grunderwerb und Immobilienbesitz aus. Ähnlich ungleichheitsverstärkend wirkt die damit gekoppelte Entwicklung bei den Wohnungsmieten. Sie beschert den VermieterInnen steigende Einkommen und verursacht bei den MieterInnen massive Reduktionen des verfügbaren Einkommens. Hier geht der negative Effekt bis in die unteren Einkommensschichten, wo er Wohnungsnot (mit-)verursacht.

Bestandsaufnahme, Ursachen und Konsequenzen dieser Entwicklungen stehen im Mittelpunkt des Vierteljahrshefts 1-2022. Das Thema ist nicht nur für Deutschland spannend, sondern auch im internationalen Kontext. Vergleichenden Studien, auch zu den Auswirkungen auf das Finanzsystem, sind ebenso willkommen wie theoriegeschichtliche und wirtschaftsethische Beiträge.

HG: Horst Gischer (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg), Bernhard Herz (Universität Bayreuth), Christoph Kaserer (Technische Universität München) & Dorothea Schäfer (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin)

Die Covid-19 Krise stellt Unternehmen, insbesondere KMU, Banken, Politik und Institutionen vor große Herausforderungen. Im Vierteljahrsheft, KMU-Finanzierung während und nach Covid-19, steht die Analyse aus der Sicht der Beteiligten im Mittelpunkt. Die Beiträge setzen fokussieren im Wesentlichen auf folgende Themen:

  1. spezielle Bedürfnisse der KMUs, Defizite staatlicher Hilfspakete, bürokratische und infrastrukturelle Hindernisse, zeitliche Dimensionen
  2. Handlungsdilemmata von (regionalen) Banken: Prolongationsbereitschaft vs. Ratingabwertung, Rückgriff auf stille Reserven, Durationsprobleme auf der Passivseite
  3. Prioritätenliste der Politik: was ist dringend, was ist nachhaltig, was ist verzichtbar?

Zeitbedarf vs. Prüfungspflicht, „Entschlackung“ der Regelsetzung („sunset“-Regeln)

  1. Nationale vs. internationale Perspektive: Autarkiebestrebungen, Verlässlichkeit, grenzüberschreitende Lieferketten, „systemische“ Branchen
  2. Langfristige Konsequenzen: Neuorganisation von „technischen“ Abläufen?
  3. Anforderungsprofile für (zukünftige) Mitarbeiter, Büro vs. Homeoffice, Auswirkungen auf relative Preise (Mieten, Logistik, steuerliche Erfassung von „Werbungskosten“)?

Hg.: Lukas Menkhoff (Humboldt-Universität zu Berlin und DIW Berlin) und Doris Neuberger (Universität Rostock und DIW Research Fellow)

Die Deutschen sparen häufig zu wenig für ihre Altersversorgung, ihre Geldanlagen sind unzureichend diversifiziert und oft renditeschwach. Zudem gelten fast zehn Prozent der Bevölkerung als überschuldet, viele sind auch zu teuer verschuldet indem sie beispielsweise permanent ihr Girokonto überziehen. Schon Jugendliche überschulden sich wegen zu teurer Handy-Verträge. Besonders einkommensschwache Verbraucher geraten in eine Falle wucherischer Kreditverträge und Überschuldung. Problematisches Finanzverhalten, aber auch „fragwürdige“ Finanzprodukte gibt es demnach hinreichend. Entsprechend groß ist der Bedarf, um diese Situation zu verbessern.

Diverse Maßnahmen, von Schulungsmaterial über spezielle Kurse bis zum Schulunterricht, zielen darauf, die fehlende Finanzbildung zu verbessern. Demnach umfasst finanzielle Bildung eine Menge an Instrumenten, um suboptimalem Verhalten entgegen zu wirken. Andere Instrumente, mit denen die Ergebnisse von Finanzverhalten verbessert werden könnten, sind zum Beispiel eine bessere Finanzberatung oder die Eliminierung von „schlechten“ Finanzprodukten mittels besserer Regulierung. Finanzielle Bildung ist jedenfalls nicht unumstritten und ihre Ausprägung sehr heterogen.

Entsprechend suchen wir Beiträge zu folgenden Themen, die empirisch fundiert, pointiert geschrieben, aufgelockert mit Tabellen u/o Schaubildern und politikrelevant sind:

Welche Maßnahmen finanzieller Bildung wirken besonders gut?

Ist finanzielle Bildung in Deutschland aus Sicht der Bundesbank relevant?

Wie steht Deutschland zu finanzieller Bildung im internationalen Vergleich?

Kann guter Verbraucherschutz finanzielle Bildung ersetzen?

Finanzielle Bildung in der Schule oder am Arbeitsplatz?

Sollte finanzielle Bildung ein Schulfach sein?

Finanzielle oder breitere sozio-ökonomische Bildung?

Was sind Schwachstellen und Alternativen finanzieller Bildung?

Kontakt

Dorothea Schäfer

Forschungsdirektorin Finanzmärkte in der Abteilung Makroökonomie

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