„Ein Mietendeckel schießt über das Ziel hinaus“

Statement vom 26. August 2019

Den Vorschlag eines Mietendeckels für Berlin kommentiert Claus Michelsen, Immobilienökonom und Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):

BlockquoteDie Berliner Senatsverwaltung versucht, mit dem Mietendeckel wieder an alte Zeiten um die Jahrtausendwende anzuknüpfen. Damals waren die Mieten in Berlin sehr günstig und die deutsche Hauptstadt galt als Eldorado für junge und kreative Menschen. Diese Zeiten sind allerdings vorbei, denn die Attraktivität wurde Berlin auch zum Verhängnis. Der Zuzug in die Stadt ist bisher ungebrochen und es fehlt an Wohnraum. Die reale Knappheit lässt sich aber nicht per Dekret verändern, und schon gar nicht mit einem derart restriktiven Instrument wie dem Mietendeckel, der vielfach zu deutlichen Absenkungen der Mieten führen würde. So sinnvoll und ausgewogen die Mietpreisbremse ist – und im Übrigen wirkungsvoller als ihr Ruf –, so sehr schießt der Mietendeckel über das Ziel hinaus. Er legt einheitliche Grenzen für einzelne Gebäudetypen in ganz Berlin fest. Vor allem in den extrem teuren Vierteln würden Mieterinnen und Mieter von diesem Eingriff profitieren. Ein Penthouse am Kudamm wird so plötzlich für Normalverdienende wieder erschwinglich. Investitionen werden hingegen sehr unattraktiv, worunter die Qualität der bestehenden Wohnungen leiden würde. Eine kluge Politik würde an den Knappheitsverhältnissen ansetzen, würde Konzepte der Bebauung und der Nutzung von Flächen in den Vordergrund schieben und auf eine eigene Bauoffensive des Landes Berlin setzen. Damit könnte allzu gierigen Investoren das Wasser abgegraben werden und es würden nicht auch noch diejenigen verschreckt, die gute Projekte vorantreiben.

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    O-Ton von Claus Michelsen
    Ein Mietendeckel schießt über das Ziel hinaus - Statement von Claus Michelsen