Der südosteuropäische Wirtschaftsraum hat an den weltwirtschaftlichen Aufschwung verhältnismäßig spät Anschluß gefunden. Infolge der Reagrarisierung der europäischen Industrieländer waren hier der Zerfall des Exports und die Krise in der Landwirtschaft besonders heftig ausgeprägt; außerdem war der Kapitalzustrom, der lange Zeit den wirtschaftlichen Anstieg erleichtert hatte, mit dem Ausbruch der Krise jäh versiegt, so daß bei der mit anhaltendem Preissturz immer drückender werdenden äußeren Verschuldung Zahlungsbilanz- und Währungsschwierigkeiten zu einer chronischen Erscheinung wurden. So bildeten die südosteuropäischen Agrarstaaten - ähnlich wie Südamerika - einen der Krisenherde, die auch in den ersten Anstiegsjahren der Weltkonjunktur noch immer nicht ausgeräumt wurden. Erst allmählich stellten sich Vorbedingungen einer Belebung ein: Durch Mittel der „Selbsthilfe" wie Zollerhöhungen, scharfe Einfuhrbeschränkungen, Devisenzwangswirtschaft, Transfermoratorien, Aufgabe der alten Währungsparitäten u. a. m. wurde zunächst ein binnenwirtschaftlicher, im wesentlichen auf den meist verhältnismäßig kleinen „Industriesektor" beschränkter Wiederanstieg eingeleitet; die fortschreitende Erholung der Weltwirtschaft ermöglichte schließlich auch eine Erhöhung der Preise und der Umsatzmengen im Export und damit eine durchgreifende Belebung in der für das wirtschaftliche Schicksal Südosteuropas nach wie vor entscheidenden Landwirtschaft.
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