Genauere Analysen zu aktuellen Steuerreformen erfordern zusätzliche Daten zu Unternehmensteuern

Pressemitteilung vom 20. Mai 2008

In den deutschen Unternehmensteuerstatistiken fehlen derzeit vor allem im Bereich der Gewinnermittlung wichtige Informationen. Die Wirkungen aktueller Unternehmensteuerreformen auf das Aufkommen oder die Verteilung können daher teilweise nur grob geschätzt werden. Auch zur Frage, welche wirtschaftlichen Wirkungen geplante Steueränderungen auslösen, gibt es gegenwärtig zu wenige Daten. Dies ist das Ergebnis einer Studie des DIW Berlin für das Bundesministerium der Finanzen.„Für besser abgesicherte Schätzungen benötigen Wissenschaft, Politikberatung und Ministerien zusätzliche Daten“ sagte Stefan Bach, Steuerexperte des DIW Berlin.
Bisher liefert das Statistische Bundesamt die Gewerbesteuer-, Körperschaftsteuer- und Einkommensteuerstatistik alle drei Jahre. Durch jährliche Geschäftsstatistiken stehen künftig aktuellere Daten zur Verfügung. Das DIW Berlin hat auf Grundlage der Unternehmensteuerstatistiken ein Mikrosimulationsmodell entwickelt, das auf repräsentativer Datengrundlage die direkten Wirkungen von Steuerrechtsänderungen auf das Aufkommen und die Verteilung der Unternehmensteuern ermittelt. Allerdings fehlen viele Informationen aus der Steuerveranlagung. Vor allem die Einzelgrößen der steuerlichen Gewinnermittlung wie zum Beispiel Umsätze, Lohn- und Betriebskosten, Abschreibungen sind gar nicht statistisch erschlossen. Daher gibt es erhebliche Schätzunsicherheiten bei Reformvorschlägen, die sich auf diese Größen beziehen. Um die Analyse- und Prognosemöglichkeiten zur Unternehmensbesteuerung zu verbessern, regt das DIW Berlin folgende Verbesserungen der steuerstatistischen Infrastruktur an: - Es sollten mehr Informationen aus dem automatisierten Besteuerungsverfahren der Finanzverwaltung für die Steuerstatistik erschlossen werden. Dies sind Informationen, die bereits im Veranlagungsverfahren erfasst sind. - Die wesentlichen Informationen der steuerlichen Gewinnermittlung und der Einnahmen-/Überschussrechnung sollten statistisch erhoben werden. Fazit von Stefan Bach, Projektleiter der Studie: „Bei den Unternehmensteuern geht es um beträchtliche Größenordnungen, und diese Steuern werden häufig geändert. Wenn man die damit verbundenen Belastungen und wirtschaftlichen Folgen besser einschätzen will, braucht man möglichst vollständige Datengrundlagen.“

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