Direkt zum Inhalt

Konjunkturbericht der EUROFRAME Dezember 2008

Pressemitteilung vom 24. November 2008

Heute wird der jüngste Konjunkturbericht der EUROFRAME Gruppe europäischer Wirtschaftsforschungsinstitute mit Prognosen für die wirtschaftliche Aktivität und die Inflation im Euroraum veröffentlicht. Daneben werden die wichtigsten konjunkturellen Kennziffern für die großen EU-Länder und die USA diskutiert. Der Bericht untersucht die möglichen Effekte einer koordinierten fiskalischen Expansion. Darüber hinaus werden Schlussfolgerungen aus den realwirtschaftlichen Wirkungen früherer Finanzkrisen gezogen. Die wichtigsten Aussagen sind:
- In 2009 wird das reale Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Euroraum um 0,4 Prozent sinken. Während die Wirtschaft in 2010 nur gering um 0,5 Prozent wächst, dürfte sich erst im Jahr 2011 wieder ein deutlicher Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion zeigen. Dieser wird mit 1.6 Prozent aber immer noch unter der Rate des mittelfristigen Trendwachstums (2 Prozent) liegen. Das BIP wird im nächsten Jahr auch in den USA, in Japan und im Vereinigten Königreich schrumpfen. Die Arbeitslosigkeit im Euroraum dürfte in den kommenden Jahren deutlich zunehmen, während sich die Situation in den öffentlichen Haushalten erheblich verschlechtert. Allerdings ist die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung derzeit extrem groß. Die Entwicklung könnte sich auf kurze Sicht noch deutlich ungünstiger zeigen als im Basisszenario dargestellt. - Die Inflationsrate im Euroraum wird 2009 voraussichtlich auf 1,7 Prozent und 2010 weiter auf 1,4 Prozent zurückgehen. Während es für die USA sogar eine nennenswerte Wahrscheinlichkeit gibt, dass die Verbraucherpreise in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres und 2010 absolut sinken, dürfte die Inflationsrate im Euroraum bis Ende 2010 positiv bleiben. Infolge der erheblichen Abnahme des Inflationsdrucks ergibt sich ein großer Spielraum zur Lockerung der Geldpolitik. Die EZB wird die Zinsen voraussichtlich im Laufe der kommenden sechs Monate auf 2 Prozent zurücknehmen. - Ohne die Ansteckung des Finanzsystems im Euroraum im Zuge der Finanzkrise wäre das BIP im Euroraum 2009 vermutlich weiter mit einer Rate von etwa 1 Prozent gestiegen. Dies zeigt die Bedeutung, die die Weltfinanzkrise für die konjunkturelle Entwicklung im Euroraum hat. Die im Bericht enthaltenen Ergebnisse verdeutlichen die Dringlichkeit koordinierter Maßnahmen zur Rekapitalisierung des Bankensektors in der EU und in den USA. Sollten angemessene Maßnahmen ausbleiben, wäre ein Anhalten der Rezession bis weit in das Jahr 2010 wahrscheinlich. - Der Bericht untersucht die voraussichtliche Wirkung einer koordinierten expansiven Finanzpolitik im Euroraum, im Vereinigten Königreich und in den USA und vergleicht die Ergebnisse mit der Wirkung isolierter Konjunkturprogramme. Es zeigen sich deutliche Vorteile für eine finanzpolitische Koordination. - Schließlich wird der Einfluss der Finanzkrise auf das langfristige Niveau des BIP untersucht. Gemäß der vorgelegten Ergebnisse könnte ein dauerhafter Anstieg der Risikoprämie durch den Anstieg der Kapitalnutzungskosten das Niveau des BIP in den USA und im Vereinigten Königreich um etwa 1 Prozent senken, im Euroraum sind die zu erwartenden Effekte etwas geringer. Die EUROFRAME Gruppe besteht aus zehn der renommiertesten Konjunkturforschungsinstitute in Europa, darunter das Institut für Weltwirtschaft in Kiel und das DIW Berlin. Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte: Klaus-Jürgen Gern, IfW, 0431-8814 261, klaus-juergen.gern@ifw-kiel.de Christian Dreger, DIW Berlin, 030-89789 529, cdreger@diw.de
keyboard_arrow_up