Beseitigung der drückenden Arbeitslosigkeit und Liberalisierung des Außenhandels im Rahmen einer gesamteuropäischen Außenhandelsliberalisierung sind die beiden dringendsten wirtschaftspolitischen Aufgaben, die der Bundesrepublik Deutschland für ihr Wirtschaftsgebiet ( Westdeutschland einschließlich Nestberlins) gegenwärtig gestellt sind. Die Ansicht ist weit verbreitet, daß diese beiden Ziele sich gegenseitig ausschlössen. Dies trifft aber nicht zu. Im Gegenteil bedeutet „Liberalisierung" keineswegs mehr Rückkehr zur freien „liberalen" Marktwirtschafi mit neutralem Verhalten der Wirtschaftspolitik gegenüber der Frage des Beschäftigungsstandes, sondern umgekehrt bietet eine volle Liberalisierung des deutschen Außenhandels, die natürlich, auf Gegenseitigkeit beruhen muß, gerade di e Grundlage dafür, daß das Ziel der Vollbeschäftigung ohne die Gefahr der Steigerung des nationalen Kostenniveaus erreicht werden kann. Allerdings muß man sich bewußt bleiben, daß in der Praxis mächtige Kräfte sowohl der zwischenstaatlichen Liberalisierung als auch dem Streben nach, Vollbeschäftigung entgegenwirken. Es gilt heute mehr denn jemals, diesen Kräften den Kampf anzusagen.
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