In heftigen Sprüngen stieg die Arbeitslosigkeit im vergangenen Winter in Festdeutschland auf etwas über 2 Millionen, in Festberlin auf über 300000. Dabei war der Winter wieder ungewöhnlich milde. Die Kulmination der westdeutschen Arbeitslosigkeit trat schon Anfang Februar ein, was Hoffnungen auf eine rasche saisonale Entlastung des Arbeitsmarktes auslöste. Seither sind die Arbeitslosenzahlen in fast allen Gebieten Westdeutschlands rückläufig, aber überall sinken sie nur langsam und haben nirgends bis Mitte Mai trotz günstiger Frühjahrswitterung auch nur annähernd den Stand vor Wintersanfang erreicht. Die frühere Erfahrung der Konjunkturforschung bestätigt sich: Eine jahreszeitlich ausgelöste Arbeitslosenwelle ebbt nicht im gleichen Ausmaße ab, wenn sich inzwischen die konjunkturelle Lage verändert hat. Intensität und zeitliche Dauer von Saisonschwankungen auf dem Arbeitsmarkte sind deshalb ein wichtiges Konjunkurbarometer.
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