Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung 1963

DIW Wochenbericht 44 / 1962, S. 189-192

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Abstract

Wirtschaftlichen Vorausschätzungen liegen nicht nur wirtschaftliche, sondern auch, politische Prämissen zugrunde. Ohne Annahmen über das politische Klima, in dem Menschen investieren, konsumieren und öffentliche Ausgaben beschließen, ist keine ökonomische Prognose denkbar. Die vorliegende Vorausschätzung für 1963 (und soweit es den Rest des Jahres anbelangt, auch für 1962) enthält an diesen Annahmen vor allem zwei. Die eine betrifft die allgemeine internationale politische Situation und läuft darauf hinaus, daß es zu keinen schwerwiegenden Auseinandersetzungen kommt. Die andere betrifft die innere deutsche Politik und unterstellt eine erhebliche Reduzierung im Wachstum der Staatsausgaben. Die erste Prämisse ist allerdings nichts weiter als ein Notbehelf, um überhaupt ökonomische Aussagen machen zu können. Für die ökonontische Vorausschätzung bedeutet sie, daß politisch bedingte Haussen auf den internationalen Rohstoff- und den deutschen Lebensmittelmärkten in den Jahreszahlen nicht in Erscheinung treten, diese Haussen also als raset vorübergehend und ihre Gegenbewegung nach sich ziehend interpretiert werden. Die zweite Prämisse ist mehr als ein Notbehelf: Alit ihr wird der diesmal mit weit größerer Entschiedenheit als früher erklärte politische Wille zu genere ller Sparsamkeit „ ernst" genommen und in den ökonomischen Daten zur vollen Auswirkung gebracht. Anders als bei der vor einem Jahr für 1962 gegebenen Prognose ist diesmal die „Gefahr" der sogenannten Selbstaufhebung der Vorausschätzung — ein der ungünstigen Perspektive entgegenwirkendes Handeln — größer. Im Augenblick kann jedoch nicht anders als auf der Grundlage öffentlichen Maßhaltens geurteilt werden.


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