Zur Wirtschaftslage in der sowjetischen Besatzungszone

DIW Wochenbericht 27 / 1955, S. 107-110

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Abstract

Die Planwirtschaft der sowjetischen Besatzungszone kann sich ebenso wenig wie die Wirtschaft jedes anderen Landes, das durch Außenhandelsbeziehungen Verbindungen zum Weltmarkt unterhält, den von außen kommenden Einflüssen entziehen. Der 1951 in Kraft gesetzte „Fünfjahrplan" war in seinen Kernteilen wesentlich auf die Erfüllung der Reparationsansprüche der Sowjetunion abgestellt. Diese Lieferungen gingen nicht nur auf Kosten der Lebenshaltung der Bevölkerung, sondern ließen auch nur einen schmalen Raum für Investitionen zur Erneuerung und Erweiterung des Produktionsapparates. Die auf Reparationslieferungen abgestellte Wirtschaftspolitik brach um die Mitte des Jahres 1953 zusammen. Nach Verzicht auf weitere Reparationen seitens der Sowjetunion wurde zunächst den Bedürfnissen der Verbraucher Rechnung zu tragen versucht. Voraussetzung für einen reibungslosen Übergang von der Reparationswirtschaft zu einer normalen Friedenswirtschaft aber wäre die Sicherung des Absatzes der bisher für Reparationszwecke verwandten Produktion auf dem Weltmarkte, gleichgültig ob Ost oder West, gewesen bzw. die entsprechende Umstellung der Produktion, die gleichzeitig den Importbedarf an Rohstoffen, Lebensmitteln usw. gesichert hätte. Diese Umstellung ist offenbar, wie die jetzt veröffentlichten Pläne zeigen; nicht restlos gelungen. Neben den unzureichenden Investitionen der letzten Jahre scheinen zur Zeit Absatzschwierigkeiten die weitere Entwicklung ernsthaft zu hemmen.


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