Vorsichtssparen und Einkommensunsicherheit privater Haushalte in Deutschland: eine ökonometrische Untersuchung auf Basis von SOEP-Daten

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 4 / 2006, S. 109-120

Nikolaus Bartzsch

Abstract

Bei schwacher Einkommensentwicklung ist die Sparquote der privaten Haushalte in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen. Eine mögliche Erklärung ist das Vorsichtssparen, das in diesem Aufsatz im Hinblick auf die Einkommensunsicherheit untersucht wird. Dazu wird in einer Querschnittsanalyse mit Einzeldaten aus dem SOEP das Vermögen der privaten Haushalte aus dem Jahr 2002 auf alternative Maße der Einkommensunsicherheit regressiert. Neben den üblichen Kontrollvariablen wird hierbei auch die Risikoaversion berücksichtigt. Bei der Verwendung des Nettogeldvermögens ist das Vorsichtssparen statistisch signifikant und ökonomisch durchaus von Bedeutung. Der Anteil des Vorsichtsvermögens am gesamten (über die Haushalte aggregierten) Nettogeldvermögen beträgt im Durchschnitt gut 20%. Das Immobilienvermögen dient wegen seiner Illiquidität dagegen nicht als Puffer gegen negative Einkommensschocks.

The saving ratio of households in Germany has increased in the past few years when the income trend was weak. This could be due to precautionary saving. In this paper the importance of precautionary saving against income uncertainty is analysed empirically with microdata of the German Socio-Economic Panel Study (GSOEP). Wealth in 2002 is regressed on alternative measures of income uncertainty in a cross-section of households. In addition to usual controls risk aversion is taken into account. When using net financial wealth precautionary saving is statistically significant and economically quite important. The share of precautionary net financial wealth in total aggregated net financial wealth is on average about 20%. Compared with net financial wealth housing wealth is not used as a buffer stock against income uncertainty, confirming the hypothesis that this kind of asset is rather illiquid.